Norwegen die Fünfte oder Nachtwanderung auf den Preikestolen, Intermezzo in Stavanger und Ankunft in Bergen

Wie die Überschrift schon andeutet, war es heute ein ereignisreicher Tag. Ereignisreich ist bei eingehender Betrachtung bzw. Reflexion vielleicht das falsche Wort, jedenfalls aber war es ein sehr sehr langer Tag.

1:30 Uhr nachts. Kikis iPhone weckte mich mit River flows in you aus meinem viel zu kurzen Schlaf. Wir schlummerten noch, bis 2:00, aber dann mussten wir schlussendlich doch auf. Der Berg rief, wie man so schön sagt. Doch Gott, waren wir müde. Wir sprachen wie üblich nach dem Aufstehen nur das Nötigste miteinander. Ich war ganz kaffeelos, ein No-Go, wie meine Schüler wissen. In einer halben Stunde hatten wir jedoch die Zähne geputzt, die Sachen gepackt, die Wanderkleidung angezogen, das Auto beladen – und dann ging’s los. Kiki war besorgt, weil sie das Gefühl hatte, mich zu etwas zu zwingen, das ich gar nicht wollte. Verdammt, sie liest meinen Blog 😊 Aber so war es ja schließlich nicht und ich konnte sie beruhigen. Und wie sich herausstellen sollte, sorgte ihre Idee und ihr Wunsch für das Highlight unsrer bisherigen Norwegenreise.

Zunächst schickte uns das Navi in den Wald, es war ungewöhnlicherweise dunkel. Weil uns die Zeit drängte, entschieden wir uns dafür, auf Experimente zu verzichten, und kehrten auf die Hauptstraße und den klassischen Weg zurück. Zeitverlust: 7min

Um 5:00 sollten wir am Preikestolen sein, um den Sonnenaufgang mitzuerleben. Das war unser Ziel. Der japanische Wagen gab sein Bestes, doch in Norwegen ist das Schnellfahren kein allgemeines Setting. 90 auf Autobahnen, 80 auf Landstraßen.

Wir starteten die Wanderung gegen 3:15, eine Viertelstunde später als geplant. Drei Jungs Anfang 20 waren auch mit von der Partie und legten gleich mal ein ordentliches Tempo vor. Schon bald waren sie in der Dunkelheit verschwunden. Kerstins Stirnlampe leuchtete uns den Weg. Die Wanderung selbst war stellenweise ein wenig anstrengend, aber nicht sonderlich schwer. Ein paar steile Bereiche ließen uns von Zeit zu Zeit etwas schnaufen und einmal wussten wir für kurze Zeit nicht mehr wohin – und das obwohl die Dämmerung schon längst eingesetzt hatte und wir alles überblicken konnten. Als uns zwei gutgefütterte junge Frauen überholten, wurde uns klar, dass wir unser Tempo beschleunigen mussten, um unser Zeil zu erreichen. Aber wäre da nicht immer diese schöne Naturlandschaft im Weg, schreiend vor Aufmerksamkeit, kamerageil. Und ich der große Wunscherfüller, der Verständnisvolle. Der abdrückt und blitzt. Für die Ewigkeit. Aber auch meine Kiki hatte zu kämpfen. Mit ihrer Hüfte, wurde sie doch grad erst operiert. So richtig zu humpeln begann die Tapfere aber erst beim Abstieg.

Nachdem wir eine illustre Wanderrunde (mit Guide) überholt hatten, bekamen wir Selbstvertrauen. Nur noch ein Anstieg und wir hatten es geschafft. Und tatsächlich…4:50 Uhr…wir sahen vereinzelt Zelte, den Preikestolen (das Plateau) und mehrere hundert Meter unter uns den Lysefjord sowie einige wenige Häuser. Nichts war gesichert, ein falscher Schritt und man stürzte in die tödliche Tiefe. Der Blick nach unten bereitete Gänsehaut. Es war still, auch wenn ungefähr 15 weitere Personen auf dem Plateau waren, um auf den Sonnenaufgang zu warten, so war es doch ein kollektives Genießen. Die Schönheit der Natur (siehe Instagram-Account), bei Tagesanbruch. Aufgrund der vielen Wolken kam die Sonne selbst nicht zum Vorschein und doch wurde es aufeinmal schlagartig hell. Bilder wurden geschossen, um diesen unvergesslichen Moment festzuhalten. Die Menschen um uns herum waren, so schien es, irgendwie erleichtert oder befreit. Und glücklich. Wie wir. Kiki – sie ist die furchtlosere im Team König – setzte sich näher zum Rand, mir wurde dabei ganz schwindlig. Sie blickte in den Horizont und genoss ihre Position, sie sah dabei wunderschön aus.

Nachdem wir unsere Pics gemacht und ich ein Skyr-Joghurt (mit Kaffeegeschmack – immerhin) verputzt hatte, wanderten wir zurück zum Auto, fuhren dann nach Tau und von dort mit der Fähre nach Stavanger. Dort frühstückten wir in Ruhe in einer Konditorei, in die Kiki unbedingt wollte. Nicht etwa, weil sie davon schon so viel Gutes gehört hatte, es war einfach der erste Frühstücksladen, der geöffnet hatte. Und Kiki war hungrig. Und resolut. Keinen Meter weiter wäre sie gehumpelt. Ich konnte mir ein Lächeln nicht verkneifen. Nach einem Sandwich und einer Schokotorte war die Situation wieder gechillter und so flanierten wir im Anschluss noch ein bisschen durch die Öl-Hauptstadt, sahen ein riesiges Kreuzfahrtschiff, das gerade anlegte und massenweise Pensionisten und Rollatoren ausspuckte. Über die Ovre Holmegate, eine zu nennende Gasse mit Cafes und Shops, bunten Häusern und Graffiti an so mancher Wand, spazierten wir zurück zum Hafen, genauer gesagt zum Erdölmuseum, das wir dann aber doch nicht aufsuchten. Wir hatten noch einen weiten Weg vor uns. Bis nach Bergen. Um die 189km. „Das ist doch nur ein Katzensprung“, würden einige von euch jetzt denken. Ja, in Österreich mitnichten, aber nicht hier. Tempolimit 90. Überall Fjorde, Seen, der Atlantik. Zweimal mussten wir die Fähre nehmen, der Rest war großteils einspurig. Die Fahrt dauerte gute 5 Stunden.

Hundemüde erreichten wir gegen 15:30 unsere Destination: Bergen. Zweitgrößte Stadt des Landes. Wir checkten nach kleinem Irrgang im Bergen Bors ein, machten uns etwas frisch und suchten dann den charmanten Fischmarkt am Hafen (gleich in der Nähe des Hotels) auf, um unser Tagesessen einzunehmen. Wir belohnten uns selbst. Es gab eine kleine Fischsuppe, Wal-Steak (schwarzes Fleisch, Rindgeschmack – wer hätte das gedacht?), Muscheln, Hummer, Garnelen und Paella. Was das Ganze gekostet hat, fragt lieber nicht. Das Essen war aber jede Krone wert, auch wenn es nicht so richtig satt macht, aber vielleicht ist das gerade das Gute daran. Kein angeschwollener Bauch, pure Gaumenfreude. Anschließend kehrten wir ins Hotel zurück, um endlich mal wieder zu schlafen. Der Tag war sehr lang, wir sind mittlerweile seit 20 Stunden auf den Beinen.

Ich habe den Wecker auf 6:30 gestellt. Kiki, bereits eingeschlafen, wird mich töten. Ich versuch’s mit River flows in you 😉 Soll sanft wecken.

Im Süden von Norwegen: Farsund (Tag 3+4)

Gestern ließen wir den Abend noch gemütlich bei einem leckeren Abendessen ausklingen. Es gab Lachs (moi) und Huhn (kiki) mit Gemüse. Wir schliefen dann bald mal ein, aber die Nacht war aufgrund der sehr weichen Betten ähnlich schlimm wie das Wetter, das uns am Morgen erwartete. Deshalb beschlossen wir, vormittags nur im Resort zu chillen. Im TV lief Patch Adams, übrigens ein großartiger Film, der in so manch einem herzlichen Menschen ein Wechselbad der Gefühle auslösen kann.

Mit Ende des Films fuhren wir mit unsrem Suzuki nach Farsund, wo wir uns im Einkaufscenter austobten. Im Supermarkt Rema 1000 kauften wir Proviant für die Unterkunft (Mittag- u. Abendessen, das Beste vom Besten Norwegens), bei Intersport ordentliche Wanderkleidung für mich und bei BurgerKing gabs einen kleinen Zwischensnack bei Blick auf den hiesigen Fjord.

Da das Wetter besser wurde, wollten wir (Kerstin hust) Kajak fahren gehen. Leider war schon alles ausgebucht, so angelten wir ein wenig am Pier – ohne Erfolg. Meine liebste Freundin hat mir jedoch einen Crashkurs gegeben, sodass ich für die morgige Bootsfahrt ein wenig gewappnet bin. Ich kann im Prinzip nichts, aber nicht null, wenn ihr versteht 😊

Am nächsten Tag machten wir uns früh auf den Weg. Es war wirklich schön mit dem Motorboot durch die Fjorde zu düsen, meine Aufgabe war das Lenken und Navigieren. Irgendwann machten wir dann mal halt, weil uns das Boot Fische signalisierte. Das Wasser war 70m tief und Kiki warf den Anker aus. Er würde nie mehr zurückkommen. Aber psst. Wir haben nie einen Anker gesehen 😅 Wir versuchten eine Weile herum, kamen dann aber zu dem Entschluss, dass das Boot uns nur diese megalästigen Jellyfische (Quallen) angezeigt hat. Den einzigen Fang machte Kerstin. Beim Auswerfen. Der Haken steckte fast in meinem Rücken, gottseidank war es windig und ich trug einen Pulli. Für einen Mordanschlag war es in unsrer Beziehung eigentlich noch zu früh, oder? Sie kann ja einfach sagen, wenn sie nicht mehr will, dachte ich 😃 Wie auch immer. Die Fahrt ging weiter. Auf offener See – der Nordsee selbst – hielten wir dann erneut an, es war äußerst windig und die Wellen schubsten unser ankerloses Boot herum wie Kinder eine Schaukel. Eine Zeitlang fischte ich mit, dann gab ich auf. Einerseits wegen Sinnlosigkeit, andererseits musste einer das Boot steuern. Es sollte nicht lange dauern, da biss ein Fisch an. Kiki kämpfte heroisch, die Angel bog sich zu einem C, aber der Fisch war zäh, er wollte nicht aufgeben und ließ sich nur schwer bekämpfen. Das Mädchen mühte sich ab, während das Boot schwankte und es ihr nahezu unmöglich machte, die Balance zu halten. „Heli, das is ein Riesenteil!!“, schrie sie. „Wende das Boot!“ Hab ich natürlich nicht gemacht, wusste ja nicht, wie sie das meinte. Schlussendlich hatte das schwimmende Biest dann die Angelschnur durchgebissen – und zurückblieb ein wunderschönes, aber enttäuschtes Mädchen. Der Kampf hatte ungefähr zwei Minuten gedauert, leider wurde er nicht belohnt. Wenn ihr Kiki fragt, wird sie euch sagen, dass sie zumindest zehn Minuten herumgekämpft hat. Es liegt in eurem Ermessen, wem ihr glauben wollt. Kiki ist aber unglaubwürdiger 😊 Jedenfallls wurde das Wetter immer schlechter, die See immer unruhiger und da unsere Bootsbeauftragte auf die Schwimmwesten vergessen hatte, kehrten wir schön langsam zum Resort zurück. Auch weil unsere Augen bzw. unsere Gesichter wie Feuer brannten. Thanks to me. Ich fischte die Füße eines Jellyfisches an Bord. Wir berührten sie beide. Es war die sprichwortliche Hölle. Kiki wird euch vermutlich erklären, dass das Brennen in ihren Augen dem Riesenfisch in der Nordsee das Leben gerettet hat. Gut möglich, alles hat seinen Sinn. Im Resort angekommen trotteten wir enttäuscht zu unserem Suzuki und fuhren nach Stavanger, eine Stadt, die wir erst morgen besuchen würden. Mein Gesicht brannte immer noch. Dort nahmen wir die Fähre nach Ryfylke, wo wir uns in einem Hostel einquartierten, denn morgen geht es auf den Preikstolen (googelt danach). Um drei Uhr in der Früh, da Kiki am Plateau gerne den Sonnenaufgang bewundern würde. Ich freue mich natürlich auch schon aufs Nachtwandern, mhm.  Jeder, der mich kennt, weiß: Meine Liebe zu dieser Frau muss wirklich groß sein. Und ja, das ist sie. Grenzenlos.

Aber wer sie kennt, der versteht das.

South Norway 2 oder Bei Regen im Auto, Kristiansand und Ankunft im Ferienresort

Wir wollten unser Hotel in Oslo heute sehr zeitig verlassen, der Wecker wurde bereits um 6:00 gestellt. Was aber nichts heißen muss. Um 9:30 fuhren wir mit unserem Mietwagen, einem Suzuki irgendwas, Richtung Kristiansand. Kristiansand gilt als beliebtes Sommerdomizil der Norweger und erinnerte mich ein wenig an Key West. Schon während der Fahrt hatten wir mit Regen zu kämpfen und das Wetter war nach 5 Stunden, als wir endlich in der Hafenstadt (angeblich zweitgrößter Hafen Norwegens) ankamen, nicht wirklich besser, auch wenn es aufgehört hatte zu regnen. Von der Stadt selbst lässt sich wenig sagen. Ca. 85.000 Einwohner, spartanischer Hafen, eine zentrale Einkaufsstraße – das Übliche. Wir aßen am Hafen Streetfood: Fischsuppe, Fischkuchen, Elch Burger und Burger mit Schwein, als Draufgabe, so der Wunsch meiner bezaubernden Kiki, bestellten wir noch einen Burger mit Nutella, Bananen UND Speck. Richtig gelesen. SPECK. Ihr fragt euch bestimmt, wie denn das dazu passt? Ich kann es euch sagen. Gar nicht. Nach ein paar Bissen reichte es ihr und der Bacon landete im Müll ‍♀️ „Man muss alles probieren.“ Umgerechnet hat uns unser Mittagessen ungefähr 45€ gekostet. Nach einem kurzen Spaziergang, Kaffee und Kuchen sowie einem Toilettenbesuch machten wir uns auf den Weg. Zuvor suchten wir allerdings noch einen Supermarkt namens Kiwi auf und tätigten Einkäufe für das heutige Abendessen.

Das große Highlight des Tages war sicher die Fahrt nach Farsund. Wir passierten Fjord um Fjord, See um See, romantische rote, weiße oder dunkle Holzhäuser und verschiedene Wälder. Bei Höchstgeschwindigkeit 70 bzw. 80 hat man schon auch genug Zeit, sich die Landschaft anzusehen. „Erst jetzt verstehe ich, warum die bei Wicki und die starken Männer so viel mit dem Schiff herumfahren und auf unterschiedliche Dörfer stoßen. Bei den vielen Buchten“, sagte ich zu Kiki. Sie schüttelte nur den Kopf.

Nach zwei Stunden Fahrt erreichten wir Farsund, eine malerische Stadt, in der sich unser Ferienresort befinden sollte. Allerdings kamen wir (etwas spät) drauf, dass wir 15km vor Farsund hätten wegbiegen müssen. Das Resort liegt nämlich ein wenig außerhalb des romantischen Fischerdorfs, direkt an der Nordsee. Ganz süß und romantisch, wenngleich sehr viele Häuschen nebeneinander stehen. Wir haben uns ein Appartment für 4 Personen gebucht, für 2 Nächte. Es ist wie eine kleine Maisonetten-Wohnung mit Wohnküche und mehreren Schlafzimmern.

Noch nicht mal ausgepackt musste Kiki auch schon zur Bootseinschulung, da wir morgen eines mieten wollen, um die Nordsee zu erkunden und leer zu fischen. Oder (um bei der Wahrheit zu bleiben): Grundkurs Fischen I (für tollpatschige Lehrer)

Meine Kiki ist ja passionierte und gelernte Fischerin und wird mir morgen, wohl hoffentlich nicht auf hoher See, ein paar Basics beibringen. Man kann zudem nur hoffen, dass wir morgen nicht das gleiche Wetter haben wie heute. Es ist kalt und regnet. Suboptimal, wie mein Freund Tine sagen würde.