Der letzte Tag in Norwegen: Oslo im Halbschlaf

den letzten tag unserer reise verbrachten wir also wieder in oslo. doch man merkte uns an, wie geschlaucht wir waren. am vormittag besuchten wir die nationalgalerie, weil ich/wir unbedingt edvard munchs schrei in originalversion sehen wollte/n. die geschichte des bildes ist eine abenteuerliche, wurde es doch mehrfach gestohlen. beim letzten raub trug das gemälde sogar irreparable wasserschäden davon, die aber scheinbar durch den rahmen gut kaschiert werden. ich konnte jedenfalls nichts entdecken.
im anschluss fuhren wir mit dem auto nach grunerlokka, dem künstler- und szeneviertel oslos. mit dem auto? ja, wir waren einfach zu müde zum laufen, außerdem wollten wir danach noch zum wikingermuseeum, das etwas außerhalb des stadtzentrums liegt. weil wir kein parkticket zogen, kostete uns diese aktion 300NOK. Grunerlokka selbst ist sicherlich ein interessanter stadtteil, viele geschäfte, boutiquen, bars und grünflächen. allerdings waren wir zu müde, ihn wirklich zu erkunden. auf einer parkbank gähnten wir uns gegenseitig an, dann rafften wir uns auf und spazierten durchs viertel. als wir ein interessantes lokal entdeckten, dessen terrasse aus allen nähten zu platzen schien, machten wir es uns dort auf dem letzten freien tisch gemütlich und aßen pizza. den namen des lokals habe ich leider vergessen.
im anschluss fuhren wir zum vikingshipmuset (wikingermuseeum), es begann zu regnen, nun steuerte also auch noch das wetter das seinige zu unserer müdigkeit bei. wir waren wie gelähmt, erst jetzt merkten wir, wie anstrengend der gestrige tag wirklich gewesen war. wir sahen drei wikingerschiffe aus dem 9. jahrhundert (oder so) und gegenstände, die man darauf gefunden hatte. eindrucksvoll. schön war zudem, dass ich im museumsshop endlich meine gewünschte norwegenmütze fand.
den rest des tages verbrachten wir damit, durch die straßen oslos herumzuirren – in oslo sollte man zurzeit nur auto fahren, wenn man gute nerven hat -, bis wir schlussendlich das auto in der richtigen tiefgarage abstellten.
über die karl johans gate, die einkaufsstraße oslos, ging es dann zurück zum smarthotel. meine bezaubernde freundin entspannte dort ein wenig in unserem matchbox-hotelzimmer, während ich uns noch schnell eine riesenportion sushi und maki zum abendessen holte.

was lässt sich über unseren ersten gemeinsamen urlaub sonst noch sagen? nicht viel. was ich aber mit sicherheit weiß, ist, dass ich mit kerstin eine tolle frau an meiner seite habe. ihr müsstet sie sehen, wenn sie auto fährt. ich habe mich jedes mal aufs neue verliebt, wenn sie zu den liedern auf ihren iphones mitgesungen hat. laut genug, dass man es hört, aber leise genug, um die stimme bewerten zu können 😊 bei manchen liedern kam die gefühlvolle seite des mädchens so richtig zum vorschein, da sang sie emotional mit und benutzte das lenkrad als trommel. man kann da nicht einfach nicht mitsingen. ich habe dann meistens meine schwerfällige stimme in die arena geworfen und für ein duett gesorgt. ein grauenvolles konzert, wir ließen die fensterscheiben immer oben, um die schafe nicht zu verschrecken und die pflanzenwelt zu schonen. aber es sind diese momente, die so unscheinbar sind oder für außenstehende vielleicht auch etwas weird, die unser schönes „wir“ ausmachen. aber das ist noch nicht alles. wäre kiki am letzten tag nicht so müde gewesen, würde ich fast sagen, sie sei unermüdlich. sie ist sehr aktiv und motiviert und ich mag es, wie sie mich zur aktivität getrieben hat (wandern, kajak …), etwas, das ich ohne sie wohl nie gemacht hätte, aber mitunter zum besten dieser reise zählte. gleichzeitig liebt sie es dann aber auch, einfach mal im hotel zu chillen und meine nähe zu genießen.
oder wie lieb sie mit mir umgeht. wie sie versucht, mir jeden wunsch zu erfüllen, oder über mich und meine art lachen kann, was mir das gefühl gibt, geliebt zu werden, wie ich bin. ein besonders schönes gefühl. vor allem meine verfressenheit hat es ihr angetan. sie schüttelt dann immer nur den kopf und lächelt (höölmut!! ruft sie dann), aber man sieht ihr an, wie sehr sie mich gerade dafür liebt. wie sehr sie meine begeisterungsfähigkeit für die kleinen dinge im leben liebt. aber nichts, das kann ich nach dieser woche sagen, begeistert mich so sehr wie meine kiki.

Der siebente Tag in Norwegen: Kajak-Tour auf dem Naeroyfjord und viele Stunden im Auto

Heute stand wieder Sportliches am Programm. Wir nennen diese Tage – ihr könnt euch vermutlich denken warum – Kiki-Tage. Doch es war, besonders für meinen Engel mit den blauen Augen, ein sehr anstrengender Tag, an dem wir todmüde ins Hotelbett fallen sollten.

Nach einem ausgiebigen Frühstück im Bergen Bors mussten wir die Reise nach Gudvangen (Tal der Götter) antreten, weil wir am angrenzenden Naeroyfjord eine Kajaktour gebucht hatten. Die Fahrt würde ungefähr zweieinhalb Stunden dauern und unsere Tour um 13 Uhr beginnen. Es war 10:00 Uhr, alles schien safe. Doch dann waren wir mit einem unerwarteten Problem konfrontiert: dem Parkhaus, in dem unser Auto abgestellt war. Als ich die 460NOK bezahlen wollte, war das schwerer als gedacht. Immer wieder lief ich zwischen Auto und Bezahlautomat hin und her, wechselte Kreditkarten und Bankomatkarten. Das Ergebnis? Es ging nicht. Maestros wurden nicht akzeptiert und der Automat wollte den PIN bei den Mastercards. Wer zur Hölle weiß da seinen PIN? Nur Freaks, mal im Ernst. Eine Stimme aus dem Automaten hat mir dann erklärt, dass ich Cash zahlen muss, aber die alten norwegischen Scheine brauche. Also bin ich zur Bank gelaufen, dort erklärte man mir, ich müsse zur Post. Allerdings vergaß ich, Geld zu beheben, und wurde bei der Post wieder retour zur Bank geschickt. Die Zeit drängte. Nach einer kleinen Odysee konnte ich dann das Parkticket endlich begleichen. Wir fuhren raus und kamen gottseidank rechtzeitig in Gudvangen an. Eine Verspätung wäre aber halb so schlimm gewesen, da ein Teilnehmer der Kajaktour auf sich warten warten ließ. Wir hatten uns inzwischen adjustiert, ganz grausig fühlten sich die wasserfesten Boots an, die wir anziehen mussten. Weil ich mich unsicher fühlte, nahmen Kerstin und ich ein 2er-Kajak. Sie überließ mir das Steuern. Bevor die Tour begann, sollten sich sämtliche Teilnehmer vorstellen und ihr Kajak taufen, das sei so Brauch, meinte der bärtige Guide. Ein Ginger. An alle Namen der anderen kann ich micht nicht mehr erinnern, aber unsere Gruppe bestand aus einer irischen Familie mit zwei Kindern, einem spanischen und einem estischen Pärchen sowie dem Zuspätkommer aus keine Ahnung, er sprach so undeutlich. Dann waren noch wir, Kiksn und Helmutle, ich taufte unser Boot „Lumpi“. Der Name gefiel dem Guide. Uns auch. Vorwegschicken möchte ich noch, wie unfassbar talentfrei das spanische Couple agierte und dass der Este namens Arthur in der Pause fraß wie ein Mähdrescher. Dagegen war selbst der verfressene Kapitän des Kajaks Lumpi harmlos.
Und dann ging’s endlich los. Wir paddelten am Naeroyfjord, einem Unesco-Weltnaturerbe. Links und rechts von uns ragten Berge aus dem Wasser, Wasserfälle waren zu sehen, aber auch einen Seelöwen bekamen wir zu Gesicht. Unberührte Natur. Das Wasser verhielt sich ruhig und glänzte. Nach gut 4,5km machten wir eine Pause und aßen eine Kleinigkeit, dann ging es zurück. Kerstin und ich paddelten wie verrückt, sodass uns der Guide, Harley aus Neuseeland, bremsen musste. Wir waren aber an einem Punkt angelangt, an dem wir einfach nur noch zurück ins Auto wollten. Bei aller Schönheit des Erlebnisses. wir hatten noch eine weite Strecke zurückzulegen (bis Oslo). Über 400km.
In Gudvangen retour zogen wir uns um und setzten uns ins Auto, Kerstin fuhr, wie immer. Und wie immer bravourös. Die Strecke war aus landschaftlicher Sicht ein echter Traum. Wir befanden uns 1.300m über dem Meeresspiegel, wir sahen einen Elch und einen Lachsfischer, aber ansonsten war da nicht viel außer Natur. Seen, Flüsse, Bäume, Sträucher und Berge. Gegen Ende hin – nach gut 5 Stunden – war Kerstin dann schon sehr müde. Sie tat mir leid. Aber der grantigere von uns beiden war ich. Oslo ist für fremde Autofahrer wirklich kompliziert und es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis wir endlich einen Parkplatz in der Nähe des Hotels erreichten. Ich dachte an meine Freundin und dass sie es endlich verdiente sich auszuruhen. Ich fluchte wie ein Rohrspatz, aber Kiki beruhigte mich. Sie war zwar hundemüde, doch sie nahm es gelassen und wollte einfach nur duschen und ins Bett. Wir checkten ein und scherzten noch ein wenig über das Zimmer, weil es wirklich wirklich winzig war und ich erst jetzt verstand, warum das Hotel SmartHotel hieß ‍♀️ Ein total anstrengender Tag ging so mit einem Lächeln zu Ende. Schön, wenn es so ist.

The 6th Day oder Bergen

Bergen. Ehemalige Hauptstadt Norwegens. Ungefähr 250.000 Einwohner, mehr als 10% davon sind Studenten. Umgeben von sieben Bergen (norwegische Verhältnisse), wir würden sagen: Hügeln. 1/3 der Bergener lebt innerhalb und 2/3 außerhalb des Tals, wodurch die Stadt kleiner wirkt, als sie de facto ist. Auch der Hafen ist geteilt durch eine Halbinsel, auf der sich das Leben im Prinzip abspielt und die deshalb als Innenstadt bezeichnet werden könnte. Der westliche Hafenteil ist für die Riesencontainerschiffe und auch die Kreuzfahrtschiffe gedacht (hier legt auch das Schiff der bekannten Hurtigrutenreise an), der östliche ermöglicht kleineren Schiffen und Booten das Anlegen. Hier befindet sich auch der gestern erwähnte Fischmarkt, wo wir heute übrigens als Mitbringsel unterschiedliche Salamisorten (!!!) gekauft haben. Östlich davon befindet sich die Bergener Altstadt (Unesco-Weltkulturerbe) namens Bryggen sowie der Floyen, einer der Berge (Hügel) mit Wanderwegen, einer Seilbahn und schönem Ausblick über die Stadt.

Bryggen, bestehend aus markanten Holzhäusern, die immer wieder mal abbrannten und wieder ursprünglich aufgebaut wurden, war historisch betrachtet das Zuhause der Hanseaten, die hier ihren Stockfisch verkauften. Auch heute wird es gern noch als deutsches Viertel bezeichnet. Nördlich davon befindet sich die Festung der Stadt, in der früher der König gelebt haben soll, als Bergen noch die Hauptstadt Norwegens war. Ihr seht schon, heute war ein recht informativer Tag, das hier wiedergegebene Wissen vermittelte uns die Kopfhörerstimme im HoHo-Bus. Aber ich will nicht vorgreifen, der Tag begann folgend:

6:30 – mein Wecker. Zweimal schon auf Schlummern gedrückt. „Wie spät ist es?“, wollte Kiki wissen. „6:45!“ „Ich steh vor 8:00 Uhr nicht auf.“ Na gut, dachte ich und schlief weiter.

Um 9:15 Uhr marschierten wir dann erst zum Frühstück, anschließend zur Touristeninfo, wo wir Tickets für den HH-Bus kauften und für morgen eine Kajak-Tour (yaaay ☺️) am Naeroyfjord (Unesco-Weltkulturerbe) buchten. Da wir den Bus knapp verpassten, weil wir unsre obligaorische Diet-Coke kaufen mussten, marschierten wir zu Fuß zum Kode (mehrteiliges Museum für bildnerische Kunst). Dort besuchten wir eine Ausstellung Edvard Munchs, des wohl bekanntesten norwegischen Malers (Schrei kennt doch jeder, oder?), und danach sahen wir uns andere norwegische sowie internationale Künstler an (Picasso und Klee u.a.). Wir nahmen auch an einer Führung zu Nikolai Astrup teil, das war/ist ein bekannter norwegischer Künstler, dessen internationale Bekanntheit jedoch eher bescheiden ausfällt. Vermutlich deshalb, weil er nur Landschaften gemalt hat wie auch bei uns in Zentraleuropa jeder zweite. Seine Bilder waren ganz nett, er selbst dürfte ein zufriedenes Landleben geführt haben, wurde nie unterdrückt (Vater war Priester, er hätte es als ältester Sohn auch werden sollen, ging aber wie Munch nach Kristiania in Oslo studieren) oder sonst etwas. Möglicherweise hatte ihm das gefehlt, um richtig groß zu werden. Er war ein Langweiler und kein Psycho wie Munch, der in der Psychiatrie war, oder Van Gogh, der sich ein Ohr abschnitt. Die Norweger mögen ihn trotzdem, den Langweiler. Egal.

Danach stiegen wir in den HHB und machten eine halbe Stadtrundfahrt (über Brygge nach Sandviken, einem interessanten Stadtteil mit vielen weißen Holzhäusern) und fuhren dann zum Aquarium, das wir besichtigten. Prett cool. Es gab Pinguine. Aber auch noch andere Meerestiere wie unterschiedliche Fische, Seelöwen, kleine Haie usw.) Doch nochmal: es gab Pinguine. Ich liebe diese witzigen Tiere. Ihr nicht? Hier hab ich gut die Hälfte meines Handyakkus verbraucht. Zurecht.

Da es zu regnen begann, fuhren wir mit dem HHB zurück und chillten zwei Stunden im Hotel, ehe wir den Fischmarkt aufsuchten, um abendzuessen. Es gab Maki als Vorspeise und Teriyaki-Lachs bzw. Boscaiola (Fischeintopf, ursprünglich aus Portugal). Die Vorspeise war gut.

Im Anschluss fuhren wir mit der Seilbahn auf den Floyen und wanderten dann von oben eine Dreiviertelstunde zurück in die Innenstadt. Meine Waden brannten, Kikis Hüfte schmerzte. Der Trip war gekennzeichnet durch eine heftige politische Diskussion über Österreich und die Rolle der Amerikaner in der Weltpolitik. Unsre Ansichten unterscheiden sich zwar nicht in allen Punkten, doch zumeist. Das zeigt sich beispielsweise schon im Grundlegenden. Kiki glaubt prinzipiell an das Gute und Vernünftige im Menschen, ich nicht. Sie tut dies aber von einem äußerst realistischen Standpunkt aus und ist keineswegs ein Naivling. Auch wenn ich manche ihrer Ansichten nicht teilen kann, so liebe ich sie für ihre Art zu denken und ihre Einstellung zum Leben. (Und das schreibe ich jetzt nicht, weil ich weiß, dass sie meinen Blog liest ☺️)

Den restlichen Abend verbrachten wir wie immer gemütlich im Hotel mit Lesen (kiki) und Schreiben (moi), diese Stunden zählen zu den schönsten in unserem Urlaub, finde ich. Weil wir so ganz für uns sind – und das schätze ich.