Frühe Kindheit

 

Irgendjemand hat einmal gesagt, dass Autobiografien mit einer großen Lüge gleichzusetzen sind. Dieser Ansicht bin ich nicht und ich kann euch, liebe Leser, versichern, dass alles, was ihr über mich lesen werdet, der Wahrheit entspricht und ich nicht im Geringsten daran denke, euch etwas vorzulügen. Meine Geschichten sind natürlich ein wenig ausgeschmückt, doch nichts ist frei erfunden.

Das Erste woran ich mich erinnern kann, ist eine Story aus meiner frühen Kindheit, die mich und auch meinen Vater sehr gut beschreibt. Mein Vater war früher oft in einem Lokal, in der Nähe einer Pädagogischen Hochschule.

In der folgenden Geschichte geht es darum, was ein kleiner, dreijähriger Junge in einem Wirtshaus tut, während sein Papa mit seinen Kumpels „Schmäh führt“ und Alkohol trinkt.

Traue keinem Dreijährigen, der an der Theke sitzt

Heut ist es endlich wieder soweit. Mein Papa nimmt mich wieder mit ins „Papillon“. Dort trifft er sich meistens mit seinen Freunden und dann wird viel diskutiert und ein Witz jagt den nächsten. Es wird viel gescherzt und gelacht und es scheint ihnen allen einen Riesenspaß zu bereiten. Die meisten dieser Leute kenn ich schon, da ich sehr oft dabei bin. Auch den Chef des Lokals, zu dem alle Adi sagen, kenn ich schon recht gut. Er ist ein sehr netter Mann, der mir zu Weihnachten eine Ritterrüstung geschenkt hat. Genau die, die ich mir immer schon gewünscht habe. Ich bin wirklich gerne dabei wenn mein Vater sich mit seine Kumpels trifft. Dann ist es garantiert immer lustig und es steht immer eine Menge Spielzeug für mich bereit, hauptsächlich kleine Matchbox-Autos. Ich liebe Autos. Ich glaube, dass es Adi auch gefällt, wenn ich Papi begleite. Er meint, dass er dann mehr Umsatz machen würde, was immer das auch bedeuten mag. Jedenfalls wird mir eine Menge Aufmerksamkeit geschenkt und davon kann ich gar nicht genug kriegen.

Ich sitze an der Theke und spiele mit meinen kleinen Autos, als ein Mann zu mir kommt, der nicht zu Papi’s Leuten gehört, sondern auf einem anderen Tisch sitzt.

Er fragt mich: „Na Kleiner, was hast du denn da Schönes?“

„Matchbox-Autos!“, antworte ich. „Einen BMW und einen Toyota.“

„Das zweite Auto ist aber kein Toyota, sondern ein Mazda.“, will der Mann mich ausbessern. Als ob ich das nicht wüsste.

„Doch.“, bleibe ich stur.

Er meint: „Okay Kleiner, dann ist es eben ein Toyota.“

Danach dreht er sich in Richtung des Tisches wo mein Vater sitzt und ruft: „He Senior, du solltest deinem Sohn lieber etwas beibringen anstatt ihn mit ins Gasthaus zu nehmen.“

Ich sehe ganz deutlich wie mein Papi aufsteht und dem Mann versichert, dass ich einer der klügsten Dreijährigen bin, die es gibt. „Er kennt alle Automarken!“, gibt er dem freundlichen, aber schlecht riechenden Mann zu verstehen.

Dieser fängt daraufhin zu lachen an. Ich kann es kaum erwarten. Eine Wette hängt in der Luft – mal wieder.

Papi, Adi, der Mann, dessen Frau und ich müssen auf den Parkplatz gehen. Mein Vater sagt, dass es um eine Lokalrunde Bier geht. Als ob mich das interessiert. Alle reden immer von diesem Bier, als wäre es heilig, doch ich darf es erst nicht trinken.

Auf dem Parkplatz stehen sieben Fahrzeuge. Es stinkt fürchterlich nach Benzin. Als Zeichen seiner Großzügigkeit gesteht der Mann mir einen Fehler zu. Ich muss also nur sechs der sieben Autos erkennen – dann würde er die Runde bezahlen. Also fang‘ ich an aufzuzählen: „Alfa Romeo, BMW, Honda, Citroen…“ Beim fünften Wagen sage ich: „Ford“, obwohl es ein Mitsubishi ist. Mein Papa sieht mich daraufhin böse an. Innerlich muss ich lachen. Ich will ihn nur ein wenig ärgern. Also fahre ich fort: „Renault“. Dann sehe ich das letzte Auto vor mir und muss ein wenig schmunzeln. Ich sehe den siegessicheren Blick des fremden Mannes. Ich sehe wie seine Augen beim Anblick des letzten Autos glänzen. Alle acht Augen sind nun auf mich gerichtet und ich genieße diesen kurzen Augenblick, in dem sich alles um mich dreht. Dann blicke ich kurz zu dem Fremden und zwinker‘ ihm zu, während ich mit einem breiten Grinsen „Mazda!!!“ sage.

Der Mann, dessen Brieftasche wohl nicht so groß wie seine Klappe ist, protestiert jedenfalls heftig. Er meint, dass wir die Autos auf dem Parkplatz vorher auswendig gelernt haben und ihn austricksen wollen.

Ein paar von Papas Freunden und auch Freunde des Mannes gesellen sich jetzt zu uns.

Es geht um eine zweite Lokalrunde. Nur dieses Mal darf der Mann sich fünf x-beliebige Autos aussuchen, die ich dann erkennen muss. Wir verlassen den Parkplatz und wandern einige Straßen weiter. Schließlich halten wir am Parkplatz der Pädak und der Herausforderer zeigt mir die fünf Autos.

Der hält mich wohl für beschränkt.

Also zähle ich auf: „Toyota Auris, VW Polo, Fiat Punto, Opel Vectra und zum Schluss ein wunderschöner Jaguar.“

Adi fängt an zu lachen und sagt: „ Tja mein Freund, das waren sogar mehr als nur die Automarken. Es ist wirklich besser wenn wir jetzt reingehen und bei einer Runde Bier anstoßen. Meint ihr nicht?“

Die anderen nicken stumm. Einige können sich ihr Lachen nicht verkneifen.

Später im Lokal beweisst mein Vater wieder Charakter und kommt für die zweite Runde auf.

„Ich habe dir gesagt, dass der Junge ein Genie ist. Das nächste Mal hörst du auf mich.“

Der Mann, den mein Vater schon von früher gekannt hat, hebt den Zeigefinger in meine Richtung und warnt mich. Ich soll ihn nie mehr so aufs Korn nehmen.

Mir ist es egal. Ich habe durch diese Aktion eine Riesentafel Schokolade mit ganzer Nuss von meinem Papi bekommen. Und Adi…tja Adi braucht mir gar nichts zu schenken. Das Lächeln auf seinem Gesicht ist mehr wert als jedes Geschenk.

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