The 6th Day oder Bergen

Bergen. Ehemalige Hauptstadt Norwegens. Ungefähr 250.000 Einwohner, mehr als 10% davon sind Studenten. Umgeben von sieben Bergen (norwegische Verhältnisse), wir würden sagen: Hügeln. 1/3 der Bergener lebt innerhalb und 2/3 außerhalb des Tals, wodurch die Stadt kleiner wirkt, als sie de facto ist. Auch der Hafen ist geteilt durch eine Halbinsel, auf der sich das Leben im Prinzip abspielt und die deshalb als Innenstadt bezeichnet werden könnte. Der westliche Hafenteil ist für die Riesencontainerschiffe und auch die Kreuzfahrtschiffe gedacht (hier legt auch das Schiff der bekannten Hurtigrutenreise an), der östliche ermöglicht kleineren Schiffen und Booten das Anlegen. Hier befindet sich auch der gestern erwähnte Fischmarkt, wo wir heute übrigens als Mitbringsel unterschiedliche Salamisorten (!!!) gekauft haben. Östlich davon befindet sich die Bergener Altstadt (Unesco-Weltkulturerbe) namens Bryggen sowie der Floyen, einer der Berge (Hügel) mit Wanderwegen, einer Seilbahn und schönem Ausblick über die Stadt.

Bryggen, bestehend aus markanten Holzhäusern, die immer wieder mal abbrannten und wieder ursprünglich aufgebaut wurden, war historisch betrachtet das Zuhause der Hanseaten, die hier ihren Stockfisch verkauften. Auch heute wird es gern noch als deutsches Viertel bezeichnet. Nördlich davon befindet sich die Festung der Stadt, in der früher der König gelebt haben soll, als Bergen noch die Hauptstadt Norwegens war. Ihr seht schon, heute war ein recht informativer Tag, das hier wiedergegebene Wissen vermittelte uns die Kopfhörerstimme im HoHo-Bus. Aber ich will nicht vorgreifen, der Tag begann folgend:

6:30 – mein Wecker. Zweimal schon auf Schlummern gedrückt. „Wie spät ist es?“, wollte Kiki wissen. „6:45!“ „Ich steh vor 8:00 Uhr nicht auf.“ Na gut, dachte ich und schlief weiter.

Um 9:15 Uhr marschierten wir dann erst zum Frühstück, anschließend zur Touristeninfo, wo wir Tickets für den HH-Bus kauften und für morgen eine Kajak-Tour (yaaay ☺️) am Naeroyfjord (Unesco-Weltkulturerbe) buchten. Da wir den Bus knapp verpassten, weil wir unsre obligaorische Diet-Coke kaufen mussten, marschierten wir zu Fuß zum Kode (mehrteiliges Museum für bildnerische Kunst). Dort besuchten wir eine Ausstellung Edvard Munchs, des wohl bekanntesten norwegischen Malers (Schrei kennt doch jeder, oder?), und danach sahen wir uns andere norwegische sowie internationale Künstler an (Picasso und Klee u.a.). Wir nahmen auch an einer Führung zu Nikolai Astrup teil, das war/ist ein bekannter norwegischer Künstler, dessen internationale Bekanntheit jedoch eher bescheiden ausfällt. Vermutlich deshalb, weil er nur Landschaften gemalt hat wie auch bei uns in Zentraleuropa jeder zweite. Seine Bilder waren ganz nett, er selbst dürfte ein zufriedenes Landleben geführt haben, wurde nie unterdrückt (Vater war Priester, er hätte es als ältester Sohn auch werden sollen, ging aber wie Munch nach Kristiania in Oslo studieren) oder sonst etwas. Möglicherweise hatte ihm das gefehlt, um richtig groß zu werden. Er war ein Langweiler und kein Psycho wie Munch, der in der Psychiatrie war, oder Van Gogh, der sich ein Ohr abschnitt. Die Norweger mögen ihn trotzdem, den Langweiler. Egal.

Danach stiegen wir in den HHB und machten eine halbe Stadtrundfahrt (über Brygge nach Sandviken, einem interessanten Stadtteil mit vielen weißen Holzhäusern) und fuhren dann zum Aquarium, das wir besichtigten. Prett cool. Es gab Pinguine. Aber auch noch andere Meerestiere wie unterschiedliche Fische, Seelöwen, kleine Haie usw.) Doch nochmal: es gab Pinguine. Ich liebe diese witzigen Tiere. Ihr nicht? Hier hab ich gut die Hälfte meines Handyakkus verbraucht. Zurecht.

Da es zu regnen begann, fuhren wir mit dem HHB zurück und chillten zwei Stunden im Hotel, ehe wir den Fischmarkt aufsuchten, um abendzuessen. Es gab Maki als Vorspeise und Teriyaki-Lachs bzw. Boscaiola (Fischeintopf, ursprünglich aus Portugal). Die Vorspeise war gut.

Im Anschluss fuhren wir mit der Seilbahn auf den Floyen und wanderten dann von oben eine Dreiviertelstunde zurück in die Innenstadt. Meine Waden brannten, Kikis Hüfte schmerzte. Der Trip war gekennzeichnet durch eine heftige politische Diskussion über Österreich und die Rolle der Amerikaner in der Weltpolitik. Unsre Ansichten unterscheiden sich zwar nicht in allen Punkten, doch zumeist. Das zeigt sich beispielsweise schon im Grundlegenden. Kiki glaubt prinzipiell an das Gute und Vernünftige im Menschen, ich nicht. Sie tut dies aber von einem äußerst realistischen Standpunkt aus und ist keineswegs ein Naivling. Auch wenn ich manche ihrer Ansichten nicht teilen kann, so liebe ich sie für ihre Art zu denken und ihre Einstellung zum Leben. (Und das schreibe ich jetzt nicht, weil ich weiß, dass sie meinen Blog liest ☺️)

Den restlichen Abend verbrachten wir wie immer gemütlich im Hotel mit Lesen (kiki) und Schreiben (moi), diese Stunden zählen zu den schönsten in unserem Urlaub, finde ich. Weil wir so ganz für uns sind – und das schätze ich.

 

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