Neues aus Istanbul (Tag 6)

Der Tag begann tatsächlich ohne Zwischenfälle. Mein Frühstück bestand wie üblich aus Kaffee, ein paar Stückchen Börek mit einer speziellen ClaritynBioflorinParkemedPureAntiStress- Füllung. Mein lieber Freund hat das Frühstück wieder mal ausgelassen, weil drauf vergessen oder nicht hingefunden oder bewusst. Man weiß es nicht.
Gegen 9:15 sind wir mit der Marmaray (Metro unter dem Bosporus) nach Üsküdar (asiatischer Teil) gefahren und haben dort den gecharterten Bus bestiegen. Selber Busfahrer, selber Reiseleiter (Murat), ihr erinnert euch. Die erste Station war das Viertel Fenerbahce (in Kadiköy) – ein sehr reicher Teil der Stadt, am Marmarameer gelegen. Nach einer kurzen Kaffeepause, in der ich vor allem schockiert war, dass einige unserer Mädchen die herumstreunenden Katzen (vierbeinige Krankheitserreger) streichelten, hielten wir als nächstes auf der Bagdad-Straße, der wohl hochwertigsten Einkaufsstraße der Stadt. Sinngemäß erhielten wir jedoch nur einen 10-minütigen Einblick in die Hochwertigkeit der Waren – und ich in die Qualität des mit Spinat gefüllten Blätterteigs. Wir fuhren anschließend der Küste entlang gen Osten. Sehr eindrucksvoll die schönen Häuser zur linken und das Meer und die Parkanlagen zur rechten Seite. Man merkt, dass hier die vermutlich reichste Bevölkerung der Stadt zuhause ist. Je weiter wir uns Richtung Osten fortbewegten, desto ländlicher wurde es und desto mehr sank die Qualität der Häuser und Straßen. In Kurtköy sahen wir den asiatischen Flughafen der Stadt (ein dritter ist momentan in Planung/Bau) und in Tuzla den Formel 1 Ring, mit dem die Stadt wirtschaftlich brutal eingefahren ist. Istanbul hat hier sehr viel investiert und dank Ecclestones Launen wohl auch sehr viel verloren. In Tuzla machten wir kehrt und fuhren nördlich ins Landesinnere. Unglaublich eigentlich, dass das alles immer noch Istanbul ist. Die Stadtbezirke wirken im Prinzip wie eigene Städte und das ländliche Setting vermittelt eigentlich einen nicht urbanen Raum. Nächster Stopp war Atasehir, wo ich mit ein paar Kolleginnen in der Gourmet Garage mein erstes gutes und gesundes Essen der Reise eingenommen habe. Sehr empfehlenswert dieses Lokal, weil vor allem untouristisch (keine Speisebilder, nur türkische Beschriftung). Danach ging es – man glaubt es kaum – in die hiesige Moschee. Die Mimar Sinan Moschee, benannt nach dem im Islam berühmten Architekten Sinan (ein Christ!!!!!!), ist eine sehr moderne, erst kürzlich erbaute Gebetsstätte, die sich durch eine elegante Bauweise und einen unterirdischen Basar (Einkaufscenter ähnlich) auszeichnet. Über die Geschäftsmieten und den Zekat finanziert man die sozialen Einrichtungen (Armenküchen, Hospitäler, Schulen etc.), die zu allen großen Moscheen gehören (= Stiftungskomplex).
Nächster Zwischenstopp war Camlica, wo wir einen tollen Blick auf den Bosporus hatten und wo auch eine neue Moschee errichtet werden soll (mit sechs Minaretten und 107,1 Meter). Letztere Zahl referiert auf die Schlacht um 1071, in der die türkischen Seldschuken die Byzantiner besiegt und damit die Eroberung Anatoliens eingeleitet haben. Über die erste Bosporusbrücke ging es dann zurück in den europäischen Teil, wo wir in einem kleinen Viertel (Name nicht bekannt) einen kurzen Stopp gemacht haben, um zu fotografieren und das traditionelle Istanbul kennenzulernen. Ich – ganz im City Bound Feeling – habe mit den Kids ein wenig Straßenfußball gespielt. Mit einem Fruchtkern. Sinngemäß.
Danach ging es zurück ins Hotel. Am Abend fuhr ich mit zwei Kolleginnen nach Beyoglu zum Flanieren auf die Istiklal Caddesi und auf ein paar Drinks in einer bei Jugendlichen beliebten Seitengasse. In einem Pub haben wir dann bei türkischer Livemusik den Abend inmitten mitsingender TürkInnen ausklingen lassen. Das wohl schönste und coolste Erlebnis dieser Reise. Eigentlich hätte mein lieber Freund auch mitkommen sollen. Aber weil ich ihm sagte, dass er nur ohne Fotoapparat mitgehen darf, weil wir nicht wie TouristInnen herum steigen möchten, entschied er sich um. So war’s zunächst. Dann habe ich ihm mitgeteilt, dass er gerne auch mit Kamera mitkommen kann, wenn er so streng japanisch ist. Keiner wird ihm seinen Glauben verbieten. Als er dann nur in kurzer Panier, aber dafür mit Regenschirm kam, wir ihm sagten, ein Pullover wäre bei den Witterungen vielleicht nützlich, war er so überfordert, dass er sich umentschied und mit anderen KollegInnen Essen ging. Auch gut. Weniger zum Schreiben.
Außerdem kann ich die Frage „What do you mean?“ eh schon nicht mehr hören..auch auf Deutsch nicht.

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