Neues aus Istanbul (Tag 1)

Eine Reise nach Istanbul ist vermutlich immer etwas Besonders. Meine Reisegruppe besteht aus weiteren 19 StudentInnen und drei Lehrpersonen, wovon eine als Istanbul-Experte gilt (vermutlich auf zahlreiche Reisen und Forschungsprojekte zurückzuführen).

Der erste Tag respektive Abend verlief recht ruhig, da wir erst um 19:30 Ortszeit in Istanbul angekommen sind und einen Spaziergang durch die historische Halbinsel (auf der unser Hotel liegt) gemacht haben, der uns einen ersten imposanten Eindruck der Stadt (die mittlerweile sanierte Straße der ‚kalten Quellen‘ – mit türkischem Namen Sogukcesme –, die Mauern des Topkapi Palasts und die Silhouette der Blauen Moschee und der Hagia Sophia etc.) vermittelt hat.

Das persönliche Highlight dieser Reise ist jedoch jetzt schon mein etwas unbeholfener Zimmerpartner. Gut, er ist kein typischer Reisender, d.h. er war – seinen eigenen Angaben nach – noch nie so weit von zuhause weg oder in Hotels wie dem unsrigen stationiert. Einrichtungsgegenstände wie beispielsweise der Zimmersafe sind für ihn zumindest das gleich beeindruckende Gadget wie das Topkapi Serail. Nach einer kurzen Zeit konnte ich ihm wenigstens erklären, dass der Schlitz neben der Zimmertür der Stromversorgung des Zimmers und nicht der Aufbewahrung der Karten dient. Zu gute gekommen ist mir dabei sein Aha-Erlebnis, als er seine Zimmerkarte zu meiner hinzu stecken wollte, die Größe des Schlitzes dies jedoch verhindert hatte.
Auch der leitende Professor hat die Sonderrolle meines Kollegen schon identifiziert und davon gesprochen, dass die Gruppe immer dann komplett ist, wenn er (wider Erwarten) auftaucht. Wie auch immer, ich habe mittlerweile festgestellt, dass ich auf dieser Exkursion nicht nur für mich alleine verantwortlich sein werde. Zu gefährlich scheint die Metropole für meinen lieben Freund zu sein – und wie sehr freue ich mich jetzt schon auf den gemeinsamen Basarbesuch morgen, bei dem wir von allen Seiten etwas aufgeschwatzt bekommen werden. Wie er sich da wohl verhält? Ihm im Restaurant bei der Auswahl des Essens behilflich zu sein, war heute jedenfalls schon der gleich schwierige Auftrag, wie den inhaltlichen Ausführungen des Professors zu folgen. Alleine auf die Toilette hat er es überraschenderweise geschafft, obwohl er sich dreimal vergewissert hat, dass der Pfeil nach unten bedeutet, dass die Toilette einen Stock tiefer liegt. Seine Fragen beim Essen will ich – bis auf eine – jetzt nicht aufrollen. Ich habe den Fehler gemacht und meine Offroad-Dose während dem Essen auf dem Restauranttisch liegen gelassen. Okay, er hat sich nichts dabei gedacht und die Dose (leider an der falschen Öffnung) geöffnet, daran gerochen und mich gefragt, was das sei. Als ich ihm sagte, dass man das nicht an dieser Stelle öffnet und dass das eine Art Tabak ist, dachte ich, es sei alles geklärt. Denkste! Als wir im Begriff waren, das Lokal zu verlassen und ich den Snus in meine Hosentasche gesteckt habe, hat er mich entgeistert gefragt: „Ist das deiner?“ Dabei habe ich ihm zwei Stunden vorher im Hotel erklärt, dass ich die Minibar im Zimmer benötige, um meinen Snus zu kühlen. Was er sich bei dieser Information wohl gedacht hat? Egal, ich will auch gar nicht wissen, was er sich am Flughafen beim Anblick der Burka tragenden Frauen gedacht hat. Auf mich haben diese – aus welchen Gründen auch immer – verschleierten Personen schon recht unheimlich gewirkt und dass ich eine von ihnen unabsichtlich gerempelt habe, macht das Ganze natürlich nicht besser. Zum Glück hat es ihr Herrscher nicht gemerkt. Nicht auszudenken, wenn ich „Entschuldigung“ gesagt hätte. Aber zurück zu meinem lieben Freund. Das mit dem Safe hat noch nicht so ganz geklappt, denn er war – als ich von der Hotellobby, wo ich diesen Blog zu schreiben begann, zurück aufs Zimmer kam – speerangelweit offen. Deshalb war mein Kollege wohl auch noch auf. Mit schlechtem Gewissen hat er mir gebeichtet, dass er den Safe zwar öffnen, aber – trotz meiner Instruktionen – nicht wieder schließen konnte. Was da wohl schief gelaufen ist. Der morgige Tag wird zeigen, ob sich dieser ‚Software‘-Fehler wiederholt. Beim Safe, mein ich. Oder?

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