Ein Traum

Ich träumte, sah dir mitten in die Augen, als du – dich von deiner Gewalt loslösend – zu mir hinabstiegst. Selten sah ich etwas Schwärzeres, das mit guten Absichten kam. Die Hand reichend, ohne Befehl, beinahe flehend, batest du um meinen Segen, um mir zu nehmen, was dir gehört. Um Trauer zu lehren, sprachst du:

„Spürst du des Todes prasselndes Gewitter in deiner Seele? wie es mit deiner Stimme singt, mit deinen Augen sieht – nur um dich zu quälen. Was verleugnest du? wenn es blitzt und donnert, so laut, dass es den Schrei deines Herzens bricht. Fühlst du das Licht? nun, so nah es ist, wie nie zuvor! Dies sind Erinnerungen an ein Leben in Dunkelheit, am Rande des Wahnsinns, am Puls der Verzweiflung. Spürst du den Donner? wie er sich drohend erhebt, vibrierend das Licht verstärkt, um dich regungslos liegend dem Schicksal deiner Gedanken zu opfern. Dies sind Schmerzen der Vergangenheit … wach auf! ohne den Träumen zu folgen, ohne daran zu glauben.
Verwirrend genug sind dir lachende Gesichter, so befremdend, noch fremder als ehrliche Fäden im Netz der Menschheit, das sich über die Welt erstreckt. Suche nicht nach äußerer Ruhe, wenn es in deinem Inneren brodelt und die Nacht dem Morgen nicht weicht. Der zumutbaren Wahrheit lebendig verfallen, fürchten wir die erlösende Kraft des Glaubens. Auf der Flucht vor dem strömenden Regen der Erkenntnis, auf der Flucht vor dem Gewissen stolpern wir über die kleinen Steine des Zorns. Urgewalten vereinend spricht der menschliche Körper die Sprache der Seele.
Spürst du nun das Gewitter deiner Seele urplötzlich auf der Haut? – so beugst du dich des Todes Macht: die Seele, den Geist ins Äußere, die Welt ins Innere kehrend. Verwirrt die Umkehr dich mehr als das befremdliche Sein deiner Gedanken? dann leugne nicht das Leben, öffne deine Arme. Für all das Leid und den Schmerz des Glücks im Angesicht der Hoffnung.
Die Historie lehrt uns, dass Trauer verbindet, was der Liebe versagt blieb.“

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