Die Trilogie des Miteinander

Die Farbe der Bilder

Ein reicher Künstler saß an einem Fluss, hörte das Fließen des Wassers rauschen, das fröhliche Zwitschern der Vögel klingen, ließ sich von dem Seienden, der Fülle, der reinen Existenz der Welt leiten – und malte. Trotz der vielen Möglichkeiten, die das Leben bot, malte er ein grünes Bild. Nach einer Zeit kam ein Mann und sah ihm zu. Unbeirrt malte er weiter, malte noch weitere grüne Bilder. Plötzlich unterbrach ihn der Mann – er hatte bis dahin nur zugesehen und kein Wort gesprochen –, er sagte: „Ich bin sehr traurig, lieber Künstler.“ „Wieso?“, entgegnete dieser, „Was liegt dir auf dem Herzen?“ Du malst ausnahmslos türkise Bilder, das verletzt mich.“ Der Künstler verstand den Mann nicht, denn er malte grüne Bilder. So antwortete er ihm: „Meine Bilder sind grün, nicht türkis – du hast also keinen Grund zur Sorge!“ Der Mann schüttelte erneut den Kopf. „Deine Bilder erscheinen mir türkis und diese Farbe macht mich traurig.“
Der Mann nahm seine Gemälde, hielt sie gegen das Licht, drehte und wendete sie, wartete bis es Nacht wurde und betrachtete sie in der Dunkelheit. Die Bilder blieben grün, mal heller, mal dunkler, aber immer grün. Er sah das Türkise nicht und begann an sich zu zweifeln.

Am nächsten Morgen suchte der Mann den Künstler wieder auf, der seit dem Morgengrauen am Ufer saß und malte. „Malst du diese Bilder für mich?“, fragte der Mann.

„Nein!“, antwortete der Künstler.

„Wieso malst du nicht für mich?“, wollte der Mann wissen.

„Du magst doch meine grünen Bilder nicht!“, sprach der Künstler.

„Ich mag deine Bilder nicht, weil sie türkis sind. Türkis macht mich traurig, es verletzt mich. Willst du mich denn verletzen?“

„Nein“, sagte der Künstler, „aber ich male gern.“

„Wieso malst du dann nicht für mich?“

„Weil ich am liebsten male, was mir zu malen beliebt. Ich male für mein Seelenheil. Wer meine Kunst schätzt, dem wird sie sich eröffnen.“

„Das verstehe ich, aber bitte, hör auf mich und male keine türkisen Bilder mehr.“

„Meine Bilder sind grün!!“

„Türkis verletzt mich.“

„Meine Bilder sind grün!!“

Der Mann verschwand traurigen Schrittes und ließ den Künstler wütend zurück. Beide fühlten sich unverstanden. Der arme Künstler saß noch lange am Fluss, aber hörte das Fließen des Wassers nicht mehr rauschen und das fröhliche Zwitschern der Vögel nicht mehr klingen. Er spürte das Seiende und die Existenz der Fülle nicht mehr. Die Lust zu malen, die Leichtigkeit des Seins, die Freude der Welt – alles war fort. So stand er auf und warf seine Gemälde in den Fluss.
Dann zog er fort, um dem Mann nicht mehr zu begegnen – und um nie mehr wiederzukehren.

 

Die Bilder

Ein armer Künstler saß an einem Fluss, lauschte dem inspirierenden Rauschen des Wassers und dem fröhlichen Zwitschern der Vögel – und malte.Nach einer Weile kam ein Mann und beobachtete ihn. Unbeirrt malte der Künstler weiter. Plötzlich räusperte sich der stille Beobachter: „Du malst wirklich tolle Bilder!“
„Vielen Dank, lieber Fremder, aber ich bin nicht recht zufrieden mit meinem Werk.“
„Wieso nicht? Deine Kunst ist bewundernswert!“
„Irgendwas fehlt noch…“
„Ja, der Glaube an dich selbst! Du hast noch nicht verstanden, dass du imstande bist, Großartiges zu leisten, wenn du dein Herz nützt.“

Der Mann verschwand und ließ den Künstler nachdenklich zurück.

Am nächsten Morgen suchte der Mann den Künstler erneut auf, der seit dem Morgengrauen am Ufer saß und an seiner Kunst feilte. Inzwischen hatte er viele weitere Bilder gemalt, eines schöner als das andere.

„Deine Bilder sind fantastisch, sie sprechen die Sprache deines Herzens!“, sagte der Mann.
„Ich habe deinen Worten vertraut, lieber Fremder, und mein Herz und mein Glaube sind dadurch gewachsen.“
„Lass mich die Sammlung kaufen.“
„Vielen Dank, aber ich schenke sie dir. Sie ist auch dein Werk.“
„Nein, das kann ich unmöglich annehmen.“
„Akzeptiere meinen Dank, lieber Fremder. Es gibt nichts Wichtigeres auf dieser Welt!“

Der Mann entschied sich, auf den reichen Künstler zu hören und die Bilder anzunehmen. Dann gingen sie beide fort, um immer wieder ans Ufer, dem Ort ihrer Freundschaft, zurückzukehren.

 

 

Der Künstler und der Mann

Ein Künstler saß an einem Fluss und malte. Nach einer Weile kam ein Mann, blieb kurz stehen und betrachtete des Künstlers Werk. Als sich ein Vogel näherte, blickte er ihn an und lauschte seinem fröhlichen Zwitschern. Auch das Rauschen des Flusses war ihm nicht entgangen und er beobachtete das muntere Treiben des Wassers. Dann setzte er seinen Gang fort. Der Künstler – vertieft in seine Malerei – blickte kurz auf, da er glaubte, ein Geräusch gehört zu haben. Doch niemand war zu sehen und er setzte seine Arbeit fort.

Am nächsten Morgen kam der Mann erneut zum Fluss, betrachtete halbherzig des Künstlers Werk und ging weiter. Der Künstler blickte nicht einmal auf.