Die Vision des Cicero

In einem Land wie Österreich oder insbesondere einer Großstadt wie Wien gibt es viele Probleme. Die Zahl der Arbeitslosen steigt, die Löhne sinken. Freie Parkplätze sind seltener als Gänseblümchen und die Anzahl der dummen Menschen nimmt kontinuierlich zu.

Aber mal im Ernst – Intelligenz und Dummheit kommen doch nicht von irgendwoher. Man lässt auch gerne im Dunkeln tappen – je dümmer das Volk, desto leichter das Argumentieren. Je leichter das Argumentieren, desto widerstandsloser die Entscheidungen. Wieso dem Volke Intelligenz gönnen, wenn es dem Übel dadurch auf die Schliche kommen könnte?

Ist das Leben nicht ohnehin leichter, wenn man dumm ist oder so wenig wie möglich weiß? Ein Volk ist immer dümmer als seine Politik.

Dass die Politiker sich dieser These bewusst sind, beweist ihre Politik. In einer Zeit wo Figuren wie Hans-Jörg Striche eine reelle Chance haben Bürgermeister einer Hauptstadt mit 2 Millionen Einwohnern zu werden oder peinliche Hauptschüler wie Gerhard Villager zum Oberhaupt des schönsten Bundeslands von Österreich ernannt werden, scheint der Tiefpunkt nicht mehr weit entfernt zu sein. Oder ist er schon längst erreicht?

Wenn junge Menschen ihr Kreuzchen der Partei „schenken“, die in Diskotheken Gratisgetränke spendiert und gleichzeitig Minderheiten diffamiert, darf kein Verkehrsschild oder Zaun mehr einen Dienstwagen aufhalten.

Es ist fünf vor zwölf. Wenn jemand mit 180 km/h auf einer Straße mit 70 km/h Geschwindigkeitsbegrenzung fuhr, ist es anzunehmen, dass er sich auf dem falschen Weg befunden hat. Das Schicksal kann grausam sein, doch wir müssen lernen, die Zeichen zu erkennen und zu verstehen.

So sieht es jedenfalls Cicero. Cicero, die Hauptfigur in meiner Kurzgeschichte, stellt sich folgende Fragen: Ist es ABSICHT, dass an den Schulen so wenig politische Bildung gelehrt, aber gleichzeitig das Wahlalter gesenkt wird? Ist es ABSICHT an den nationalen Stolz zu appellieren, der tief in uns steckt, um Menschen zu diskriminieren? Ist das Teil eines großen Plans? Eines „absoluten“ Plans?

Cicero sieht sich diesen Fragen ein Leben lang konfrontiert.

Er ist jedoch zu dem vorläufigen Entschluss gekommen, dass die „zeitgenössischen“ Politiker keinen Plan haben. Als junger Mitarbeiter der sozialdemokratischen Partei ist er bemüht mehr Schwung in deren Politik zu bringen – ohne jedoch die elementaren und traditionellen Werte der „links eingeschlafenen“ Partei aus den Augen zu verlieren. In seinem Innersten jedoch ist ihm klar, dass man die Probleme und Unzufriedenheit der Menschen nur verringern kann, indem man deren Auslöser auf intelligente Art und Weise bekämpft – auch wenn man dadurch im Begriff ist sein Gesicht zu verlieren und seine Wertvorstellung zu begraben. Das Einzige wovor er sich fürchtet, ist die derzeitige gesamtpolitische Entwicklung und die von Grund auf verschiedenen Mentalitäten der Menschen.

Doch es ist nie zu spät. Lesen Sie seine Geschichte…

 

1

Nach dem Tod des langjährigen Wiener Bürgermeisters Michael Mäinl steht die Stadt Kopf. Eine adäquate Nachfolger-Lösung wird von den Sozialdemokraten angestrebt, doch innerhalb des Landtages haben sich Gruppierungen gebildet, die die Sache verkomplizieren. Das größte Problem ist, dass in einem Jahr Neuwahlen anstehen. Durch den plötzlichen Tod Mäinls stellt sich die Frage, ob es nicht besser wäre diese sofort durchzuführen.

Auch der Großteil der Bevölkerung wünscht sich diese Lösung – deshalb: Gesagt, getan! Die freiheitliche Partei um H.J. Striche hat in Wien an Sympathie gewonnen.

Beinahe jeder dritte Wiener Bürger wählt „rechts“. Die Menschen sind unzufrieden mit der Ausländerpolitik der Sozialdemokraten und Striche bietet ihnen vermeintliche Lösungen.

Einer dieser Ausländer, der Unzufriedenheit bei Striches Wählern auslöst, ist Zoran. Gemeinsam mit seiner Frau Jelena lebt dieser in einer kleinen Wohnung im zwölften Bezirk und versucht Tag für Tag über die Runden zu kommen.

In seiner Heimat Bosnien war er Diplom-Ingenieur, seine Frau Ärztin – hier in Österreich sind sie nichts.

Jelena arbeitet bei einer Firma als Reinigungskraft und Zoran trägt frühmorgens die Zeitungen aus – tagsüber hat er mehrere Teilzeitjobs. In ihrem Haushalt leben außerdem ihre fünfjährige Tochter Kristina und Jelenas Bruder Danijel, das schwarze Schaaf der Familie.

Danijel interessiert sich für gar nichts. Vor dem Krieg galt er in Sarajevo als Unruhestifter und war Schulabbrecher, Jahre später hat sich daran nichts geändert. Nachts treibt er sein Unwesen, verzockt das Geld, das er vom AMS bezieht und befindet sich auf der so genannten „falschen“ Laufbahn.

Sein Freundeskreis besteht vorwiegend aus gleich gesinnten Ausländern, die sich ihr Geld zusätzlich anderswo eintreiben.

Zoran kann seinen Schmarotzer von Schwager nicht ausstehen, doch jener gehört zur Familie und Familie ist wichtig. Dass er für Danijels Wohlergehen Zeitungen austrägt, während dieser sich das Leben schön macht, scheint für seine Frau allerdings das Normalste der Welt zu sein.

Als Ausländer hat Zoran sich vor den Neuwahlen gefürchtet. Er mochte den letzten Bürgermeister.

Aber H.J. Striche und seine radikalen Anhänger werden immer stärker.

Er selbst kann nicht verstehen, wie es in einem gesitteten Volk wie Österreich so weit kommen kann.

Chris Holler schon. Der junge Sozialdemokrat, der aufgrund seiner Eloquenz und Vielseitigkeit  von allen „Cicero“ gerufen wird, glaubt, dass die Hauptursache für diesen neuen österreichischen Zorn, der sich im Rechtsdrang widerspiegelt, auch in Zorans Wohnung zu finden ist.

Und dass weder die hart arbeitende Jelena, noch die kleine Kristina damit gemeint ist, sollte klar sein. Ich schreib‘s trotzdem – in Österreich kann man nie wissen.

Gewalt- und Untätigkeit sind Attribute, die Ausländern vorgeworfen werden. Sie arbeiten nicht, leben auf Kosten der österreichischen Bürger, vermehren sich ungeniert und sind gewaltbereit – so das Klischee, der Stereotyp.

Dass es solche und solche gibt, sollte jedem klar sein, ist es jedoch nicht. Wer glaubt, Österreicher seien gut ausgebildete Menschen, sollte sich mit der „Pisa-Studie“ befassen. Und hier ist das Problem, die Gefahr beheimatet.

Die freiheitliche Partei forciert den nationalen Stolz und betreibt bewusst Politik, die jugendliche Menschen anspricht, die mit sich und ihrem Leben unzufrieden sind. Und jeder von ihnen spielt gerne Schießspiele im Internet – das bereitet Freude, vor allem wenn Muezzins Zielscheiben sind.

Heutzutage geht es um Entertainment, wir leben in einer Erlebnisgesellschaft. Alles wird zur Show – auch die Politik. Nicht umsonst bezeichnen viele Gelehrte H.J. Striche als Showman. Er beehrt jedes Event mit seiner Anwesenheit, ist jugendlich, geht mit dem Konsum und tut alles, was von einem Politiker nicht erwartet wird – außer nachhaltige Ideen konzipieren. Das ist das Einzige, was er nicht tut und dass obwohl es von keinem Politiker erwartet wird.

Mittlerweile hat auch Cicero begriffen, dass Intelligenz längst nicht mehr der Maßstab für Respekt ist. Jeder kann Politiker werden und Wahlen werden zu einer veritablen Farce. Ernstzunehmende Konzepte interessieren vielleicht noch jeden dritten jugendlichen Wahlberechtigten. Der Rest steht auf Party, „Krocha“ und „geht scho gemma Vuigas“. Die Helden von heute sitzen nicht im Rathaus, sondern saufen sich auf ATV bis zur Bewusstlosigkeit.

Was Pisa-Studien schon längst bewiesen haben, zeichnet sich immer mehr ab. Unser Volk wird dümmer und dümmer. In Zeiten wie diesen, wo Kinder sich an Talkshows orientieren und Wörter wie „geil“, „scheiße“ und „cool“ eine ausschlaggebende Rolle bei jedem zwischenmenschlichen Gespräch spielen, muss man schnell umdenken und …. noch schneller handeln.

Cicero versteht, dass Leute wie sein Kontrahent nur groß werden können, wenn Menschen arm und dumm sind.

Unsere Kinder werden durch übermäßigen Fernsehgenuss verblödet, weil Eltern keine Zeit mehr für sie finden. Intelligente Menschen widmen sich ihrer Karriere und nur wenige von ihnen gründen eine Familie. Familie ist sekundär, zuerst die Karriere – die Sicherheit, das Fundament!

Meistens sind es Ausländer, die an der Armutsgrenze leben oder Menschen der sozialen Unterschicht, die für Nachwuchs im Staate Österreich sorgen.

Lehrer müssen als Erzieher fungieren, da Eltern nicht die Zeit dazu finden oder nicht daran interessiert sind.

Bildung bleibt auf der Strecke. Kindern lernen von Freunden oder aus dem Fernsehen. Traditionelle Konstrukte verlieren an Bedeutung – Ehen werden geschieden, Familien zerstört und frühere Vorbilder „entidealisiert“. Jugendliche orientieren sich an Gleichaltrigen.

Dass Ciceros Schlussfolgerung ein Trend und keine Situation ist, sollte klar sein. Ich schreib‘s trotzdem. Wer weiß, wer das liest.

Ich will nicht, dass Cicero falsch verstanden wird.

Dass das Hauptproblem vieler Wiener die Migranten sind, hat Holler längst begriffen. Er wäre dumm, dies zu ignorieren. Als Chef der Stimmenstärksten Partei Österreichs sieht er sich gezwungen, etwas zu tun, was niemand erwarten würde – eine Koalition mit den Freiheitlichen.

Obwohl sich deren Ideologien völlig unterscheiden, glaubt er, dass dieser Mittelweg das Beste für Wien (und vielleicht auch für Österreich) ist. Unter der Bedingung, dass Cicero Bürgermeister wird, starten die Linken den Versuch der konkurrierenden rechtspopulistischen Partei den Deal schmackhaft zu machen.

Allerdings: H.J. Striche träumt davon in den Wiener Landtag einzuziehen, doch der Selbstdarsteller, der er zweifelsohne ist, kann sich damit nicht zufrieden geben. Er möchte irgendwann Bürgermeister von Wien oder gar Kanzler werden.

 

2

Nach zähen Verhandlungen ist es tatsächlich passiert. Cicero wird Wiens neuer Bürgermeister und das Oberhaupt der rot-blauen Koalition. Die Schwarzen schütteln den Kopf, die Grünen sehen ganz schön alt aus.

H.J. spricht von einem Sieg auf ganzer Linie, Cicero rechtfertigt seine Entscheidung damit, Gehör für die Bevölkerung entwickelt zu haben. Gemeinsam wird an einer Politik gefeilt, die Wien, aber auch Österreich mittel- und langfristig weiter bringen wird.

Das Asylgesetz soll erneuert werden und auch die Migrationspolitik wird verschärft im Blickpunkt stehen.

Striche spricht erstmals laut über eine Kinderbeschränkung in Ausländerfamilien, als Grundvoraussetzung für einen Verbleib in Österreich. Eine kranke Idee, die selbstverständlich aus Menschenrechtsgründen niemals durchgesetzt werden kann, doch sie bleibt in seinem Hinterkopf.

Cicero erweist sich als äußerst geschickter Bürgermeister, der Wien und vor allem H.J. zunächst im Griff hat. Er fordert mehr Geld für Bildung und Kultur.

Für Universitäten soll mehr Geld zur Verfügung gestellt werden, aber alles mit einem nationalistischen Unterton, denn für Ausländer soll es teuer werden in Österreich zu studieren. Erhöhte Studiengebühren für Fremde soll deren Anzahl minimieren. Frei nach dem Motto: Die eigene Intelligenz fördern und fremde integrieren! Die Zeiten in denen sich wissbegierige österreichische Jugendliche hinten anstellen müssen, sind vorbei.

Hollers Politik forciert die Zentralmatura und die (Aus-)Bildung der Österreicher.

Ausländer, die sich nicht an das österreichische System anpassen wollen, finden in Wien keinen Platz und keine Unterstützung mehr. Ausländische Talente, die etwas erreichen wollen, werden hingegen gefördert.

Als Zoran die Zeitung aufschlägt und die Ziele der neuen Politik liest, weiß er zunächst nicht, was er davon halten soll. Jelena sieht es als Fortschritt und Kristina strahlt über das ganze Gesicht. Sie freut sich schon darauf in die Schule zu gehen.

Trotzdem ist alles ungewiss. Niemand weiß so richtig, ob diese Koalition funktionieren kann – außer Danijel. Er glaubt einen Beweis erbringen zu können, dass diese Wahl die Falsche ist. Er sieht nicht länger ein, dass Ausländer unterdrückt werden und findet es ungerecht, dass er nicht weiß, wie er an „Kohle“ kommen soll, während österreichische Männer seines Alters sich schicke Autos kaufen.

Niemand hat ihm gesagt, dass Menschen hart dafür arbeiten, um sich solche Wunsche erfüllen zu können. Gleichgesinnte, mit denen er sich regelmäßig trifft, sind frustriert. Große Wut baut sich in ihnen auf. Sie verfluchen Österreich – ein Land, das ihnen zwar das Fundament bietet, sie jedoch nicht haushält. Auch seine türkischen Freunde hassen H.J. Striche.

Danijel weiß jedoch, dass Cicero der Hauptschuldige ist. Durch ihn mutiert das Leben für den – so der Volksmund – „gewöhnlichen“ Ausländer zur Hölle.

Es vergehen Monate und die neue Koalition einigt sich bei mehreren Punkten. Ciceros Visionen und Striches Ideologie beginnen ineinander zu greifen. Alle Bundesländer blicken gespannt auf Wien und dessen Entwicklung.

 

3

Einige Zeit später…

Danijel, der immer noch bei seiner Schwester und deren Familie lebt, ist das Arbeitslosengeld gekürzt worden. Da er sich bei mehreren Vorstellungsgesprächen, die ihm vermittelt worden sind, nicht adäquat verhalten hat, wurde durchgegriffen.

Wer sich nicht darum bemüht Arbeit zu finden, wird von der Sozialdienststelle drastisch gekürzt. Noch verhindern die Sozialdemokraten Striches Wunsch Schmarotzer sofort über die Grenzen zu transferieren.

Das System wird jedoch dadurch kontroverser.

Ciceros Ansätze sind gut, aber das über-soziale Denken seiner Partei schafft Probleme, die H.J. befürwortet. Es spielt den Freiheitlichen in die Karten, dass Ausländer im Land bleiben dürfen, aber ärmer werden.

Danijel hat sich längst dem Drogenmilieu angeschlossen. Schon vor der neuen Regierung hat er Ecstasy „vertickt“, um sich den einen oder anderen Wunsch erfüllen oder es ins nächste Wettbüro tragen zu können.

Jetzt verkauft er dieses Zeug, um überleben zu können. Seine Schwester arbeitet mittlerweile im Krankenhaus und findet kaum noch Zeit ihm Geld zu geben. Was bleibt ihm demnach anderes übrig? Legale Jobs sind unterbezahlt … und hart.

Die neue Regierung ist jedoch auf die Kriminalitätsbekämpfung fokussiert. Der Exekutive wurde mehr Geld zugesprochen. Die Polizei kann deshalb mehr Bewerber aufnehmen und ist stärker besetzt, so dass es möglich ist, die Kontrollen auf Hochtouren laufen zu lassen.

Danijel ist deshalb schon einmal im Gefängnis gesessen. Zoran, der mittlerweile einen stabilen Arbeitsplatz gefunden hat, hat damals die Kaution für seinen Schwager bezahlt. Obwohl er es gut fand, dass Danijel erwischt wurde, hat er seinem Schwager geholfen. Hauptsächlich deshalb, weil ihm seine Frau in den Ohren gelegen war. Ihr Haushaltsbudget reicht zwar jetzt für vier Personen, doch Zoran hätte lieber, dass ein weiteres Kind diesen vierten Platz einnimmt und davon profitiert – und nicht Danijel.

Jener wird zunehmend aggressiver. Das Geld wird knapp und er ist vorbestraft. H.J. will Leute wie ihn unbedingt loswerden und er weiß, dass die Zeit drängt. Er will nicht zurück nach Bosnien, denn dort müsste er tatsächlich arbeiten.

Als er mit seinen Kumpels den üblichen Abendrundgang macht, kann er es kaum glauben, wer ihm begegnet.

 

4

Chris Holler  alias Cicero – der Mann der Stunde.

Seine Politik ist in aller Munde und verzeichnet einen Teilerfolg nach dem anderen. Obwohl es immer noch viele Gegner – auch innerhalb seiner Partei – gibt, die seine Richtung kritisieren, ist er stolz. Er hat einen Mittelweg gefunden. Seine Partei hält schützend die Hand über Minderheiten und integriert jeden, ohne sich dabei ausnützen zu lassen. H.J. Striche zeigt sich unerwartet kooperativ und schluckt viele seiner Ideen.

Cicero findet es wichtig, dass jeder Mensch eine Chance bekommt. Jeder, egal ob Österreicher oder Ausländer, sollte in Wien zumindest die selben Bedingungen vorfinden. Dass nationales Denken nicht abgestellt werden kann und deshalb Österreicher oft bevorzugt behandelt werden, ist eine Tatsache, die nirgendwo auf der Welt anders ist.

Seine Frau hat ihm heute die freudige Mitteilung erbracht, dass er bald Vater wird. Zur Feier des Tages gönnten sie sich ein Abendessen im „Sestante“, einer Pizzeria in Josefstadt.

Nach dem Essen – auf dem Weg zum Auto – sollte sich alles ändern.

In einer etwas unübersichtlichen Stelle begegnen sie einer Gruppe Ausländer. Cicero grüßt höflich und blickt zu seiner Überraschung in die zehn Zentimeter große Klinge eines Jagdmessers.

 

5

Obwohl Cicero im Krankenhaus – in den letzten Momenten seines Lebens – stets betont hat, dass der Überfall auf ihn und seine Freundin ein Zufall war, der keinerlei Bedeutung hat, spitzt sich die Lage in Österreich zu.

„Ausländer töten Bürgermeister“, las man ihn den Gazetten. Bürger diskutierten auf den Straßen und waren erzürnt, ob der seelischen Grausamkeit, die dieses Ereignis überschattet.

H.J. Striche ist daraufhin zum neuen Bürgermeister Wiens aufgestiegen und bezeichnet jenen Akt der Zerstörung dreier menschlicher Leben als bösartige Gewalt, die die Mentalität von Ausländern widerspiegelt.

Menschen können integriert werden, jedoch nicht ihre Mentalitäten. Andere Länder, andere Sitten.

Menschen, die aus südliche Regionen Europas stammen, tendieren dazu hitzig, impulsiv, aufbrausend und auch gewaltbereit zu sein.

Ciceros Tod hat eine Welle des Protests ausgelöst. Zornige Menschen steigen auf die Barrikaden und haben längst aufgehört, vernünftig zu denken. Hauptschuldige sind längst gefunden.

Auf dieses Szenario hat ein Mann gewartet; H.J. Striche, seines Zeichens Neo-Bürgermeister, setzt alles daran, um Ausländer aus Österreich zu verbannen.

Danijel wurde abgeschoben, seine türkischen Freunde, die an dem Totschlag beteiligt waren, sind Österreicher in zweiter Generation und sitzen nun dort, wo sie laut Striche schon längst hingehört hätten – im Gefängnis.

Durch Hollers Tod ist der Weg für eine Politik frei, die engstirnig und ausländerfeindlich ist.

Und Chris Holler alias Cicero? Er hat mit seinem Tod das ausgelöst, was er Zeit seines Lebens versuchte zu verhindern -Wien zu einem nationalsozialistischen Bundesland verkommen zu lassen, das von keiner starken linken Hand gestützt wird.

In den Geschichtsbüchern wird stehen, dass ihn sein Tod zum Märtyrer im umgekehrten Sinn gemacht hat.

 

 Nachgedacht? 

Das traurige Ende eines Landes naht, indem es vom Ungebildet-Sein wimmelt. Doch eines bleibt: Cicero ist ein Hoffnungsschimmer – wenn man so will eine Utopie – die nur deshalb im Keim erstickt wird, weil wir noch nicht verstanden haben, dass es falsch ist, sich von Intelligenz zu entfernen und Dummheit zu fördern. Nicht die klugen Menschen sollten eine Bedrohung sein, sondern die ungebildeten – egal ob Österreicher oder Ausländer. Der langfristige Erfolg einer Nation führt über das Miteinander von zwei wesentlichen Schienen: Bildung und Arbeit! Dies führt zu Akzeptanz.

Ein „Geheimnis“, das vermutlich bekannt ist, aber bewusst unausgesprochen bleibt.

Und speziell im Süden unseres Landes brauchen wir uns nicht zu sorgen, dass es entdeckt wird.

Die, die es verstehen, wandern ohnehin aus. Der Rest lässt sich weiterhin verarschen und pilgert mit Kerzen in der Hand zu der Stelle, an der „Gott“ oder „was auch immer“ uns gezeigt hat, dass hier Endstation ist.

 

Es geht nicht weiter – jedenfalls nicht so!

 

 

 

Ein Mensch in der Dunkelheit

Ein Mensch in der Dunkelheit
besitzt die Kraft Berge zu versetzen weil er sie sieht

Ein Mensch in der Dunkelheit
hat nichts außer seine Konzentration keine Gedanken keine Sorgen nur die Ruhe

Ein Mensch in der Dunkelheit
findet Antworten erkennt den Sinn des Ganzen nicht des Einzelnen.

Ein Mensch in der Dunkelheit
versteht den Unterschied Sein und Nicht-Sein Gut und Böse tief im Herzen versteckt
Das Wissen

Ein Mensch in der Dunkelheit
versteht das Wesentliche keine Ablenkung allein das Ich

Was bleibt, ist die Antwort.
Die Antwort das Hier und Jetzt.
Zu leben wie der Mensch in der Dunkelheit.