Wenn das Herz spricht..

Es ist das Vertrauen, das ich spüre,

wenn du mich in deinen Armen hältst.

Das Wissen, dass ich dich küssen will,

wenn du bei mir bist.

 

Dein Lächeln,

das mich nach Enttäuschungen aufheitert.

Deine Tränen,

die mich zum Weinen bringen.

Deine Gedanken,

die in mich übergehen.

Deine Treue,

die ich in deinen Sätze spüre.

Dein Halt, der meine Kraft

ins Unermessliche steigen lässt.

 

Es sind jedoch auch die Worte,

die ich nicht verstehe.

Die Ideen deines Kopfes,

die ich nicht umsetzen kann.

 

Ich muss es nicht.

 

All das ist die Liebe,

derer zu spüren ich mir sicher bin.

 

Eine Kraft, die stärker scheint

als alles andere auf der Welt.

 

Eine Magie, die uns auf

besondere Art und Weise

miteinander verbindet.

 

Egal ob nah oder fern,

ich weiß, dass du da bist.

 

Tief in meinem Herzen

bist du verankert und alles

was noch passieren wird,

wird diesen Anker noch fester

in mein Herz rammen.

 

Das ist es,

was ich dir nicht sagen kann,

was ich nie vermag

in Worte zu fassen.

 

Sieh‘ es als Versuch

meiner Liebe

Ausdruck zu verleihen,

unseren Tränen

einen gemeinsamen Sinn und

deinen Taten Sicherheit zu geben,

dir sei gesagt:

 

Wenn es einen Menschen gibt,

der meinen Kreis schließt,

bist es DU!

Memoiren eines Schülers


„Hallo Mädels! Na, habt ihr schon was vor heute Abend? Nein? Gut! Kommt doch zu Eddie. Wir feiern ein bisschen.“

Hi! Ich bin Ted und ich bin sechzehn Jahre alt. Ich habe ein Problem. Ein Problem, das nicht selten, doch für jemanden in meinem Alter etwas ungewöhnlich ist. Was es ist, werdet ihr noch erfahren. Mehr dazu später.

Zunächst will ich euch noch die anderen Jungs vorstellen. Der großgewachsene blonde Junge neben mir ist Jeffrey, ein sechzehnjähriger Lacrosse-Spieler. Er hält sich selbst für den nächsten Gary Gait, aber in Wirklichkeit trifft er aus kurzer Entfernung ein Hochhaus nicht. Ganz anders als auf dem Spielfeld, wo er überhaupt keinen Plan hat, weiß er mit den Mädchen umzugehen. Die drei heißen Mädels, die er gerade angesprochen und eingeladen hat, sind richtig umwerfend. Sie gehören zu den begehrtesten Frauen der Schule. Aber dazu kommen wir auch noch später.

Der degenerierte Typ vor mir ist Gacy. Er ist ein wenig zurückgeblieben – zumindest was die Denk- und Lernfähigkeit anbelangt. Außerdem scheint er ein wenig paranoid zu sein. Laut seinen abstrusen Theorien ist die ganze Welt gegen ihn. Alle haben sich gegen ihn verschworen um ihm das Leben zur Hölle zu machen. Ohne meinen Verhandlungskünsten hätte er es wohl nicht mal in die sechste Klasse geschafft. Ich sollte wirklich darüber nachdenken Anwalt zu werden. Egal. Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt um Zukunftspläne zu schmieden.

Einer fehlt noch. Der vierte im Bunde ist Eddie. Seine Eltern haben sich vor kurzem getrennt. Er spielt mit Jeffrey in einer Mannschaft, doch im Gegensatz zu ihm hat er wirklich Talent. Zu seinem Pech leidet er ziemlich an der Scheidung und kann sein Potenzial nicht ausschöpfen. Er ist nicht mit voller Konzentration bei der Sache. Er lebt bei seinem Vater, doch dieser ist meistens bei seiner neuen Freundin. Ein Umstand, der zwar für Eddie nicht so toll, jedoch für uns anderen umso toller ist – denn das bedeutet, dass wir eine sturmfreie Bude haben.

Ich habe schon alles besorgt. Eddie trinkt nur selten, aber wenn – dann richtig! Jeffrey gibt nur damit an und Gacy ist unentschlossen.

Ich würde sagen, dass meine drei Freunde im Laufe des Abends die nächste Stufe ihres Lebens errreichen werden – Gacy zumindest. Fragt sich nur zum wievielten Male schon. Wie gesagt, er weiß nicht viel und manchmal glaube ich, dass das auch gut so ist. Für Jeffrey hab ich mir etwas anderes überlegt – dieses Großmaul. Eddie kann machen was er will.

Eine Kiste Bier, ein zusätzliches Six-Pack und ein paar Flaschen Martini Asti für unsere weiblichen Gäste sind eingekühlt. Heute ist Mittwoch, doch das stört uns relativ wenig. Wir gehen alle vier in die selbe Klasse und wir wissen, dass man donnerstags nicht nüchtern sein muss.

Ich finde dieses übertriebene Gesaufe ja kindisch, doch muss ich den Schein wahren. Ich muss so tun, als ob es das Größte wäre. Heutzutage ist das Image eines Teenagers das Wichtigste und das Komasaufen ist seine Visitenkarte. Frei nach dem Motto: IN ist, wer BLAU ist. Bei den Polizisten scheint das ja schon seit Jahren so zu sein. Ich meine wegen den Uniformen – nicht das was ihr denkt.

Auf den heutigen Abend bin ich gar nicht so gespannt, denn ich kann euch jetzt schon verraten wie er ablaufen wird. Die Jungs werden versuchen sich so schnell wie möglich zu besaufen, damit sie länger mit den Mädchen Sex haben können, die sie noch schneller als sich selbst abgefüllt haben.

Was mich eher interessiert, ist der morgige Tag. Es wird ein ziemlich lustiger Schultag werden.

Der nächste Morgen…(eine Prophezeiung später)

Es ist fast sieben Uhr morgens. Ich trinke immer noch und das Traurige daran ist, dass ich nicht mal betrunken bin. Ich habe natürlich allen was vorgespielt. Hab mehr gelacht als sonst, ein wenig gelallt und sogar die Nationalhymne mitgegrölt, als Eddie sie um Mitternacht angestimmt hat. Eddie sitzt übrigens neben mir, sein Kopf hängt zur Brust. Gacy tanzt mit der süßen kleinen Brasilianerin und Jeffrey kommt gerade aus dem Schlafzimmer getorkelt. Er hat die kleine Blonde  verführt, die vorhin Eddie noch oral befriedigt hat. Ich finde es erschütternd, dass er nicht mehr gerade aus gehen kann. Er redet wirres Zeug und prahlt wie betrunken er ist. Immerhin hat er ein Six-Pack Bier alleine ausgetrunken. Was der Idiot allerdings nicht weiß, ist, dass es Clausthaler waren.

So steht er nun da, spielt uns den Betrunkenen vor und glaubt, dass WIR die Ahnungslosen sind – armer Junge.

Schön langsam muss ich alle einsammeln. Der Bus zur Schule fährt bald. Ich gebe jedem ein sogenanntes Reparatur-Bier gegen den Kater und für die Stimmung. Die Mädels lehnen ab. So gesehen kommt der sturzbetrunkene Jeffrey doch noch zu seinem ersten Alkohol heute. Gacy weiß sowieso nicht was vor sich geht und Eddie, der kurzzeitig aus seinem Koma erwacht war, schläft nun in der letzten Reihe des Busses – was bedeutet, dass fünf jüngere Schüler stehen müssen.

An der Schule angekommen, fällt mir als erstes auf, dass unser Klassenvorstand sein Auto wieder hat. Ich weiß zwar nicht wie das passieren konnte, doch irgendjemand hat seinen Wagen gestern abschleppen lassen. Naja, er wird das nächste Mal bestimmt nicht mehr in der Feuerwehreinfahrt parken. Wie verantwortungslos – wenn da etwas passiert wäre. Gut, dass da jemand so pflichtbewusst war und die Sache gemeldet hat.

Das dritte Mädchen im Bunde, die Brünette, ich kenne ihren Namen nicht mal, fasst mir plötzlich an den Arsch und lächelt. Dann geht sie schnurstracks in ihre Klasse – was unter „leider“ fällt. Die anderen zwei Hübschen folgen ihr. Ich manövriere den Rest der Gruppe in den Chemieunterricht, der meistens uninteressant ist, doch heute ist Ethanol das Thema und alle hören zu wie die Musterschüler.

Danach folgt eine Doppelstunde „Bildnerische Erziehung“, die immer sehr lustig ist. Der Professor ist ein seniler alter Trinker, der damit aufhören musste, weil seine Leber sonst nicht mehr mitgemacht hätte. Jetzt ist er nur noch senil.

„Kinder, hört mir zu! Ich versichere euch, dass die Wasserfarben völlig ungiftig sind“, will er uns beruhigen.

„Das glaub ich nicht“, ruft Jeffrey. Jedes Mal dasselbe.

Und wie jedes Mal trinkt der senile Trottel einen ganzen Becher voller Wasserfarben.

„Glaubt ihr mir jetzt?“

„Aber natürlich Herr Professor!“

Ich frage mich ob seine Leber wirklich aufgrund des Alkohols kaputt geworden ist. Der arme alte Mann.

Wenn ich ihn da so stehen sehe – wie er uns den leeren Becher zeigt und lächelt, kommt es mir jedes Mal in den Sinn, dass er eigentlich Gacys Vater sein könnte. Ich lache bei dem Gedanken laut los, was nicht unüblich ist – betrunken wie ich sein müsste. Ich werde aus der Klasse zitiert. Ein Umstand, der mir gefällt, denn so kann ich in Ruhe den Flachmann aus meiner Jackentasche holen und ein Schlückchen trinken.

Mathematik – die vierte und letzte Stunde! Wir vier erleben diesen überaus geistreichen und nützlichen Unterricht  nur zur Hälfte, da der Lehrer merkt, dass wir angetrunken sind und uns zum Direktor schickt. Unser Direktor ist ein netter Mann. Ein Säufer vor dem Herrn, aber das Herz am richtigen Fleck. Das Lustige ist: Er und Ich – Wir haben den selben Flachmann.

Der unrasierte Bart und sein schiefer Blick deuten daraufhin, dass er gestern auch bei Eddie hätte zu Gast gewesen sein können. So stehen wir nun da – in seinem Büro. Der nüchterne Ted, der so tut als wäre er betrunken und der betrunkene Direktor Berkowitz, der so tut als wäre er nüchtern. Meine drei Freunde hat er schon suspendiert und nun schreit er auch mich ordentlich an.

„Du spielst mit einem Verweis Junge.“

„Ach, kommen Sie Herr Direktor. So fett sind wir ja gar nicht.“

„Bist du denn verrückt? Kommst angetrunken zum Unterricht. Was fällt dir überhaupt ein?“

Und das aus seinem Mund.

„Sie sollten das nicht so überbewerten. Nehmen Sie’s locker. Eigentlich müssten sie uns loben.“

„Waaaaas? Ich soll euch auch noch loben. Wieso?“ Nun passt das Rot seines Kopfes endlich auch zum Rot seines Hemdes.

„Immerhin kommen wir in die Schule. Andere hätten sicher geschwänzt.“

Durch seine wilde Gestik fliegt sein Flachmann aus der Sakkotasche.

„Ist das DEIN ERNST?“

„Nein“, sage ich und hole meinen Flachmann aus der Jackentasche. Ich zeige ihn dem Direktor und sage: „Das ist MEIN ERNST!“

Plötzlich fängt er an loszubrüllen, und als ich ihm sage, dass er sich glücklich schätzen kann, da Schüler in anderen Schulen weit größere Dummheiten machen, wie z.B. Amok laufen, ist er mit seiner Geduld am Ende. Er appelliert an meinen Ernst und dessen Haftigkeit. Großzügig und scharfsinnig wie ich bin, reiche ich ihm natürlich meinen Flachmann, aber er blickt mich nur verwirrt an. Die Situation beginnt zu eskalieren.

Der Direktor jagt mich zur Tür hinaus. „Lass dich nie wieder in meiner Schule blicken. Du hast ein riesengroßes Problem. Du kannst meinetwegen auf dem Bau arbeiten, aber lass dich hier nie wieder blicken.“

Ich weiß nicht. Ob ich mein Problem wirklich in den Griff bekomme, wenn ich auf einer Baustelle arbeite?

Ich verlasse die Schule langsam und auch traurigen Schrittes – ehe ich mich noch ein letztes Mal umdrehe und das schöne Marmorschild betrachte auf dem groß und breit steht:

Harald Juhnke-Realgymnasium

 

 

 

Einige Geschichten aus meiner Vergangenheit mögen ja lustig sein, doch hab ich mein Problem bis jetzt noch nicht in den Griff bekommen. Ich bin jetzt über vierzig Jahre alt und der Alkoholismus hat mich besiegt. Ich habe meine Familie und meinen Job verloren und seit kurzem besitze ich auch keine funktionierende Leber mehr. Ich habe alles versoffen, was ich mir aufgebaut habe. Wenn ich zurückdenke an die Anfänge und noch einmal die Zeit zurückdrehen könnte – würde ich so gut wie alles ändern. Der Alkohol hat mein Leben ruiniert und viele Jugendliche wissen gar nicht wie gefährlich diese legale Droge ist. Wenn ich nicht gerade in der Klinik bin, halte ich an Schulen Vorträge über das größte Problem der Gesellschaft : ALKOHOL!!

Diese Droge wird unterschätzt und genau das macht sie so gefährlich. Ich sage den Jugendlichen, dass sie es nicht übertreiben oder am besten ganz die Finger davon lassen sollen. Doch von Zeit zu Zeit reizt es mich und ich muss die eine oder andere lustige Geschichte erzählen. Doch die Geschichte meines Lebens ist alles andere als lustig und gilt als Paradebeispiel dafür, wie man es nicht machen sollte und wie der Alkohol ein Leben zerstören kann.

Ein Stadion und andere Verbrechen

In einem kleinen Ort wie Klagenfurt passiert ganz selten etwas Aufregendes, doch wenn sich einmal etwas Ungewöhnliches ergibt, weiß sofort die ganze Stadt Bescheid. Es ist interessant, was man unter „aufregend“ versteht. Alles ist relativ. Für ein Provinzstädtchen wie Klagenfurt ist ein gewöhnliches 08/15 Konzert schon etwas Besonderes. Genauso viel Aufmerksamkeit bekommt ein unwichtiges Eishockeyspiel oder eine banale Kneipenschlägerei geschenkt. Erst recht spannend ist es für die Einwohner der Landeshauptstadt Kärntens, wenn sich ein, für uns, Prominenter in der Stadt befindet. Es gibt nur wenige Spektakel, um die uns andere Bundesländer beneiden. Dazu zählt das Beachvolleyballturnier im Sommer oder die anstehende Fußballeuropameisterschaft, bei welcher Klagenfurt bekannterweise ein Austragungsort ist. Diese kleine Einleitung soll nicht täuschen, denn es können in einer winzigen Stadt auch Dinge passieren, die unheimlich schockierend sind. Intrigiert wird überall, Verbrecher gibt es überall und vorallem sollte man folgende Regel beachten: Je mehr du weißt, desto gefährlicher lebst du.

1

Es war ein Schock für alle Bürger Klagenfurts, die morgens beim Frühstück in aller Ruhe ihre Zeitung lesen wollten. Die schreckliche Nachricht leuchtete von der Titelseite wie die Weste eines Ordners bei einer Sportveranstaltung; „Landeshauptmann Georg Herder wurde ermordet!“

Komissar Ratz las den Artikel über das Verbrechen sorgfältig durch und achtete darauf, dass er nirgendwo falsch zitiert wurde. Der Landeshauptmann und beliebteste Politiker Kärntens wurde, in der Nacht von Sonntag auf Montag, in seiner Penthousewohnung tot aufgefunden. Als Ursache für seinen Tod wurde eine Schusswunde im Bereich des Herzens bekannt gegeben. Ein Unbekannter hatte vermutlich in der Nacht auf Sonntag mehrere Male auf das Opfer eingeschossen. Ein Schuss hatte tödlich geendet. Die Mordwaffe wurde noch nicht gefunden und auch vom Täter fehlte bislang jede Spur. Die Leiche wurde nur zufällig durch einen Nachbarn entdeckt, der beauftragt worden war, sich um die Blumen der Frau des Politikers zu kümmern. Zwischen dem verstorbenen Politiker und seiner Frau kriselte es schon seit geraumer Zeit, und so war sie allein auf Urlaub gefahren, während ihr Gatte angeblich einem Meeting in Wien beiwohnte, welches ein ganzes Wochenende in Anspruch nahm. Georg Herder hatte seinen Termin jedoch abgesagt und war zuhause geblieben. Ein fataler Fehler – wie sich jetzt herausstellte. Man vermutete, dass es sich um einen Eifersuchtsmord á la Gianni Versace handelte. In Insiderkreisen galt das Opfer als bisexuell. Enge Vertraute sprachen sogar von einer reinen Homosexualität, doch konnte man beide Gerüchte weder zufriedenstellend beweisen, noch komplett aus der Welt schaffen. Trotz seines inoffiziellen Geheimnisses war der Politiker sehr beliebt. Egal ob jung oder alt – die Menschen hörten ihm zu und jubelten bei seinen Reden. Die Polizei war bemüht den Fall so schnell wie möglich aufzuklären, und die Bürger wurden gebeten jede noch so kleine Ungereimtheit zu melden.

Komissar Hannes Ratz legte die Zeitung beiseite und aß, mit gespielter Gelassenheit, sein Frühstück. Es stand ein harter Tag bevor und er musste gestärkt zum Dienst antreten.

2

Es wurden alle jungen Burschen verhört, denen man nachsagte, dass sie sich gelegentlich mit dem Politiker amüsiert hatten. Das Verhör lief sehr schlecht, da alle drei ein überzeugendes Alibi hatten. Für die Presse war der Mord und der Skandal um die Bisexualität des Landeshauptmanns natürlich ein gefundenes Fressen. Ratz hasste Journalisten, denn er hielt sie für ein schmieriges Pack. Es gab nur eine einzige Ausnahme und die war sein alter Kumpel Theodor Wiegele, der für eine bekannte Tageszeitung schrieb. Wiegele hatte überall seine Informanten und egal was passierte – er wusste es als erstes. Dass sich das Opfer auch am anderen Ufer bewegt hatte, stand für ihn außer Frage. Wiegele hatte jedoch zusätzliche Informationen, die seinen Freund Ratz interessieren könnten.

Der Mord an Georg Herder warf natürlich viele Fragen auf. Hatte sein Tod wirklich etwas mit angeblichen Homosexuelleien zu tun? War er das Opfer eines Anschlags? Oder war es einfach nur ein schlichter Raubmord?

Dass es kein Raubüberfall war, konnte bestätigt werden. Die Witwe Herder informierte die Polizei, nachdem sie alle Wertgegenstände überprüft und als vollzählig gemeldet hatte. Kommisar Ratz glaubte jedoch, dass der Landeshauptmann etwas in seinem Besitz gehabt haben könnte, von dem seine Frau nichts wußte. Nachdem er alle Garcons des Politikers gründlich befragt hatte, wurde ihm klar, dass es sich hierbei um keinen Eifersuchtsmord handelte.

Die Theorie, dass der Landeshauptmann das Ziel eines Anschlags war, gefiel ihm schon eher. Er konnte sich insofern damit anfreunden, da der Mord geplant gewesen war. Man wollte ihn beseitigen, aber warum? Das war die Frage. Für Ratz stand fest, dass der beliebte Politiker etwas gewusst haben musste, dass unentdeckt bleiben sollte.

Der Kommisar traf sich in der Innenstadt mit seinem Kumpel Wiegele zum Mittagessen. Kurz bevor er sich auf den Weg in die Franzgasse 57 machen wollte, klingelte das Telefon. Ein Nachbar des Landeshauptmanns behauptete, dass er in der Nacht des Mordes Schüsse gehört hatte. Daraufhin war er sofort zum Fenster gerannt und hatte versucht einen Blick auf das Geschehen zu erhaschen. Es war ihm ein großer Mann, mit grauem Kapuzenpulli aufgefallen, der ganz langsam aber ängstlich die Straße entlang ging. „Als ob er etwas zu verbergen gehabt hätte, hatte er sich dauernd in alle Richtungen umgedreht“, gab der Anrufer zu Protokoll. Daraufhin hatte er die Polizei verständigt, die ihm versprochen hatte vorbeizukommen und sich der Sache anzunehmen. De facto aber, war niemand gekommen und so war auch er zu Bett gegangen.

Komissar Ratz traute seinen Ohren nicht und bestellte den Mann aufs Revier, um seine Aussage schriftlich aufzunehmen.

3

Sein alter Bekannter wartete schon mit hungrigen Magen im Lokal und war heilfroh, als sie endlich bestellten.

„Du ermittelst doch in dem Mordfall, oder nicht?“, fragte Wiegele seinen Freund.

„Korrekt. Ich könnte ein bisschen Hilfe von dir gebrauchen. Deine Leute sind ja immer bestens informiert.“

„Hör zu. Ich hab tatsächlich etwas für dich – nämlich etwas, dass ich noch niemanden erzählt habe. Kurz vor seinem Tod hat mich Herder angerufen. Er wollte sich mit mir treffen. Es ging um etwas Wichtiges und Geheimes, dass er am Telefon nicht besprechen konnte, da er angeblich abgehört wurde.“

„Hast du dich noch mit ihm treffen können?“

„Klar. Am Samstag Vormittag trafen wir uns in irgendeiner Spelunke. Du wirst mir nicht glauben, was ich dort erfahren habe.“

„Mach’s nicht so spannend. Erzähl schon.“

„Unser Herr Landeshauptmann hat mir von einem Skandal, rund um die Vergabe des Bauprojekts für das Fußballstadion, erzählt. Er sagte, dass er Beweise hätte, dass einige wichtige Personen geschmiert wurden und viele dadurch extrem reich geworden sind.“

Der Komissar hörte ihm ganz genau zu. Die Sache war hochinteressant und es lieferte ihm das gesuchte Motiv.

4

Vor ein paar Jahren wurde ein Gremium ausgewählt, das aus sieben Personen bestand. Zwei Vertreter des Bundesministeriums, zwei des Land Kärntens und drei der Stadt Klagenfurt. Diesen sieben Personen wurden sechs unterschiedliche Projekte zum Bau des neuen Fußballstadions vorgestellt. Zwei Varianten kamen in die engere Auswahl.

Eine österreichische Version, die dafür plädierte, dass das Stadion multifunktionell gebaut wird. Das hieß im Klartext, dass Büros und Geschäftsflächen am Gelände gebaut werden und sich, durch deren Vermietung, das Stadion nach der Europameisterschaft selbst finanzieren würde – wie zum Beispiel das Stadion in Eindhoven. Die Erhaltungskosten eines riesigen Stadions seien für eine kleine Stadt wie Klagenfurt untragbar.

Die zweite Variante, vorgestellt von einer ausländischen Baufirma, bekam den Zuschlag. So wurde zwar ein optisch schönes und großes Stadion gebaut, das jedoch in ein paar Jahren leer stehen würde, da die Erhaltung schlicht und einfach zu teuer war. Zudem wurde keine Rasenheizung installiert, was bei jedem neuen Fußballstadion Standard war und auch die Infrastruktur in Bezug auf Wellness und Erholung (Sauna, Infrarotkabinen, Fitnessstudio, Whirlpool, etc…) ließ zu wünschen übrig. Das neue Klagenfurter Stadion war somit das älteste neue Stadion der Welt. Abgesehen davon wäre die inländische Variante obendrein billiger gewesen.

Der Landeshauptmann hatte sich klar für das billigere und bessere Projekt ausgesprochen. Bürgermeister Scherrer war allerdings für das zweite und somit für das teure und zukunftslose Projekt gewesen, das sich schlussendlich auch durchgesetzt hatte.

Herder hatte daraufhin begonnen zu recherchieren und war auf eine Entdeckung gestoßen, die Gold wert war. Der Bürgermeister hatte die Leute seines Vertrauens, die im Gremium saßen, manipuliert und zwei weitere bestochen. Somit setzte sich das Projekt durch, bei welchem er ordentlich absahnte. Herder fand es heraus und hatte Kopien eines ominösen Kontoauszugs des Bürgermeisters Herbert Scherrer. Aus diesem ging hervor, dass Scherrer im Jänner 2008 ein großes Sümmchen erhalten hatte. Angeblich im Wert von mehreren hundertausend Euro. Der Auftraggeber dieses Geldtransfers war zunächst unbekannt, doch ein Spitzel hatte herausgefunden, dass es über Umwege die ausländische Baufirma war, die das Stadion gebaut hatte.

Georg Herder hatte sich daraufhin mit dem Journalisten Theodor Wiegele getroffen und wollte die Story publik machen. Keinen Tag später wurde der Mann tot aufgefunden und die Beweise waren verschwunden.

Die Stadt Klagenfurt liebte den Landeshauptmann, denn er hatte viel Gutes getan. Durch die Europameisterschaft hatte die Stadt viel Geld verdient, welches er dazu verwendet hatte, um die alte Tram wiederzubeleben. Nun führte eine einzige Linie von der CineCity bis zur kleinen Stadt „Minimundus“. Die urige Straßenbahn war die Touristenattraktion schlechthin.

In dieser Tram wurde ein Koffer gefunden. Ein simpler schwarzer Aktenkoffer, der versperrt war.

Der alte und erfahrene Schaffner brachte ihn sofort zur Polizei und als man ihn dort öffnete, traute man seinen Augen kaum. Der Koffer enthielt eine Pistole und mehrere verschiedene Blätter Papier, u.a. Rechnungen, Kontoauszüge und schriftliche Aufträge. Hannes Ratz wurde verständigt und dieser wußte sofort, worum es sich handelte. Das waren die Beweise von denen Theodor gesprochen hatte, inklusive eines schriftlichen Auftrags, der den Mord an Georg Herder befahl und der Tatwaffe. Auftraggeber war der Bürgermeister und die Abteilung für innere Angelegenheiten. Als Attentäter wurde ein bekannter jugendlicher Krimineller bestimmt. Wieso machte man so etwas schriftlich?

Komissar Ratz konnte es kaum glauben. Die Beweise fielen ihm praktisch in den Schoß. Er fragte sich, wer diesen wertvollen Koffer in der Straßenbahn platziert hatte. Er tippte auf einen Spion, der für den Bürgermeister, aber im Auftrag Herders arbeitete, doch sicher war er sich nicht. Es konnte ihm egal sein, denn dieser Koffer war sein Ticket zu Ruhm und Anerkennung.

Das Telefon klingelte.

„Komissar Ratz!“

„Haben Sie den Koffer entdeckt?“, fragte eine tiefe Stimme.

„Wer spricht bitte?“, wollte der Komissar wissen.

„Haben Sie den Koffer entdeckt?“

„Ja. Wer sind Sie?“

„Keine Fragen. Ich riskiere mein Leben. Es liegt nun an Ihnen, dass sie diese Dreckskerle ins Gefängnis bringen. Ach übrigens, der Bürgermeister ist gerade in einer Konferenz. Falls Sie sich heute noch mit ihm treffen wollen.“ Der Unbekannte beendete das Gespräch.

5

Mit Beweisen gefüttert, trat Komissar Ratz den Weg zur Konferenz des Bürgermeisters an. In der Sitzung ging es um den Ausbau des Park&Ride Systems. Man benötigte mehr solcher Auffangparkplätze, um den Verkehr aus der Stadt zu halten und um die Feinstaubbelastung zu reduzieren. Gleichzeitig war aber auch ein monströses Einkaufszentrum mitten in der Stadt, sowie der vierspurige Ausbau des Rings notwendig. Man konnte sich vorstellen, wie sehr so ein Shopping-Center den Verkehr von der Stadt fernhielt, vorallem wenn man in der dortigen Garage eine Stunde lang gratis parken konnte.

Jedenfalls war es eine hitzige Diskussion und Herbert Scherrer war sichtlich aufgebracht. Mit einem, vermutlich vom Diskutieren, hochroten Kopf stürmte er aus dem Saal und war wenig begeistert, als er sich ein paar lästigen Fragen konfrontiert sah. Der Komissar und seine Männer nahmen ihn mit aufs Revier und befragten ihn. Scherrer dementierte alles.

Zu seinem Pech allerdings, verhörte man nebenan einen jungen Mann namens Silvio Krajic, der den Mord an Herder gestand und den Bürgermeister des Auftrags bezichtigte, da er sonst seine Familie in den Kosovo abgeschoben hätte. Es war ihm keine andere Wahl geblieben, denn er wollte seine Familie retten und hätte alles dafür getan. Silvio Krajic wurde, genauso wie Klagenfurts Bürgermeister Herbert Scherrer festgenommen.

Was für eine Schlagzeile.

Einen Monat später wurde ihnen der Prozess gemacht und der Bürgermeister wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Bei Krajic konnte mit dem Staatsanwalt ein Deal gemacht werden. Da er geständig war und vor Gericht über die Rolle des Bürgermeisters in diesem Mordkomplott sprach, fasste er eine siebenjährige Strafe aus. Zusätzlich bekam seine Familie eine Aufenthaltsgenehmigung. Der Fall wurde, im Sinne der Bürger, rapide aufgeklärt und alle waren zufrieden. Komissar Hannes Ratz wurde beauftragt die restlichen Drahtzieher des Attentats aufzuspüren und festzunehmen.

Er ging es ganz locker an, denn in Klagenfurt hatte er Heldenstatus erreicht, nachdem er den Mord an dem beliebtesten Politiker der Provinzstadt, „aufgeklärt“ hatte.

6

Ein paar Wochen später saß ein Mann, mit hellem Anzug und einer schwarzen Sonnenbrille, in einem Café in Udine. Er blickte jede Minute ungeduldig auf seine sündhaft teure Uhr. Seine Miene erhellte, als sie endlich im Anmarsch waren. Sie kamen zu zweit. Beide in einem schicken schwarzen Anzug gekleidet. Wiegele trug eine Designer-Sonnenbrille – Ratz entschied sich dagegen, da er sein Gesicht bräunen wollte.

„Nehmt Platz!“, befahl Christian Burkhardt.

Sie schüttelten sich die Hände und setzten sie sich.

„Es lief alles wie am Schnürchen. Krajic hat nur sieben Jahre bekommen, aufgrund deiner Intervention. Scherrer sitzt lebenslänglich“, erzählte Wiegele.

„Ich weiß. Ich hab deine Story gelesen. Du musst eine Wahnsinnsauflage gehabt haben, nachdem das Komissariat nur mit dir sprechen wollte.“

„Liegt doch auf der Hand. Seine Zeitung ist sehr professionell – die anderen alles Revolverblätter“, rechtfertigte sich Ratz.

Die drei Männer im Anzug brachen in schallendes Gelächter aus und bestellten eine Flasche Rotwein. Sie hatten etwas zu feiern.

„Der Weg ist nun frei. Die Politik muss neu aufgebaut werden und du bist genau der richtige Mann dafür, Christian. Wir berichten morgen schon über deine Kandidatur zum Landeshauptmann. Deine Chancen stehen gut. Bei Umfragen liegst du klar an erster Stelle.“

„Unsere Partei ist nun die führende. Alle sind erschüttert. Die Partei des Bürgermeisters ist aufgrund des Skandals am Boden und Herder war stets der einzige Grund, warum die Leute diese andere Partei gewählt haben, die eigentlich keine richtige Partei ist. Eine wahre Schande. Klagenfurt braucht eine politische Revolution und wir haben die Basis dafür geschaffen.“

„Die Menschen werden immer dümmer. Wir haben das Richtige getan“, war sich Ratz sicher.

Die drei Männer in Anzügen feierten ihren Triumph bis in die Morgenstunden.

Komissar Hannes Ratz war Klagenfurts neuer Held, Theodor Wiegeles Zeitung hatte die höchste Auflage seit ihrem Bestehen und Christian Burkhardt, der Spitzenpolitiker einer, historisch gesehen, erfolgreichen Partei Österreichs galt als zukünftiger Landeshauptmann Kärntens.

Die Wahl war reine Formsache. Seine größten Gegner waren ausgeschaltet und die Leute schätzten ihn als Politiker. Alle waren zufrieden. In Klagenfurt stand ein Umbruch bevor, ein Umbruch der bitter nötig war, doch wie er zustande kam, erfreute niemanden. Die Stadt war geschockt. Der beliebteste Politiker war tot und der sonst so souveräne Bürgermeister saß für den Rest seines Lebens im Gefängnis – wie schade, dass man dort das viele Schmiergeld nicht ausgeben konnte. Die Zeiten waren schlecht, und doch waren einige Menschen erfolgreich, denn sie waren dazu imstande, wozu der Rest der Menschen niemals fähig sein würde. Sie gingen für ihren Erfolg über Leichen…

ENDE 

Geschichte verfasst am 16. Juli 2008

Tod des damaligen Landeshauptmanns von Klagenfurt am 11.10.2009