Ein ehrenwertes Haus

Kennen Sie das Gefühl, dass Sie in ihrem eigenen Wohnhaus unerwünscht sind?

Sie gehen Tag für Tag dort ein und aus – doch irgendwie kommt Ihnen alles so verbittert vor?

Die Nachbarn sehen Sie an, doch grüßen tun sie Sie nicht. Wenn einmal jemand was zu Ihnen sagt, dann nur: Können Sie das ändern und können Sie das nicht mehr tun, und so weiter…

Die alten Leute sind die, die mich am meisten stören. Sie sitzen den ganzen Tag zu Hause und haben nichts Besseres zu tun als andere Menschen zu beobachten und akribisch nach Mücken zu suchen aus denen sie Elefanten machen können. Können Sie bitte dieses Kabel wegräumen? Können Sie bitte einen anderen Parkplatz benützen? Hier darf man nicht parken. Können Sie bitte ihre Wäsche zum Trocknen woanders aufhängen und nicht am Balkon? Wären sie so freundlich und würden tagsüber nicht so einen Lärm machen? Würden Sie die Musik leiser oder sie ganz ausmachen? Sie müssen ihren Müll besser trennen, sonst werde ich Beschwerde einreichen. Geht das? NEIN. VERDAMMT. Ich werde dieses Kabel nicht wegräumen, weil es nicht mir gehört. NEIN, ich werde das Auto nicht weg parken, weil ich hier niemanden störe, geschweige denn, jemandem den Weg abschneide. NEIN! – Ich kann meine Wäsche nirgendwo anders aufhängen. Abgesehen davon, wofür habe ich einen Balkon, der einen Quadratmeter groß ist? Tagsüber kann ich soviel Lärm machen wie ich will. Abgesehen davon, so laut bin ich doch gar nicht. Jedenfalls nicht lauter als ihr beschissener Hund, der den ganzen Tag bellt, weil er Sie offensichtlich genauso gut leiden kann wie ich. Die Musik IST leise und abschalten werde ich sie sicher nicht. Ich werde versuchen meinen Müll zu trennen, doch leider habe ich nicht immer die Zeit dazu. Abgesehen davon, wieso stöbern sie in meinem Müll herum? Was zur Hölle ist das Problem dieser alten Menschen?

Ihr Problem ist die Zeit.

Sie wissen nichts damit anzufangen. Ihre einzige Freude im Leben ist es, Fehler bei anderen Menschen zu suchen und sie darauf aufmerksam zu machen. Was ihnen noch gefällt, ist, sich in Dinge einzumischen, die sie überhaupt nichts angehen oder die ihnen scheißegal sein könnten. Kann der alten Frau Meier nicht egal sein, ob meine Wäsche zum Trocknen auf MEINEM Balkon hängt, oder kann der verbitterten alten Frau Hesse nicht komplett egal sein, ob ein Verlängerungskabel von meinem Balkon zum Kellerfenster meines Nachbarn langt? Er braucht den Strom und ich werde ihm den leihen. Nein, ich soll das wegräumen, denn andernfalls wird eine Firma kommen, die das übernimmt und die ich dann bezahlen muss. Welche Firma alte Frau? Wach auf. Werden Sie diese Firma anrufen? Was werden sie sagen? Dass Sie einen Auftrag für sie haben? Es handelt sich um ein Kabel, welches weggeräumt werden müsste. Das Gespräch hätte ich gerne auf Band, Sie frustrierte alte Hexe! Auf die Frage warum das denn überhaupt störend sei, bekommt man meistens folgende Antwort: Wie das denn aussieht. Es sieht aus, wie es bei jedem anderen Haus aussehen würde, wenn da nicht überall die gleichen alten frustrierten Frauen leben würden. Komischerweise sind es nämlich immer die alten Menschen weiblichen Geschlechts, die sich beschweren. Ich habe selten erlebt, dass ein betagter Mann zu mir gekommen ist und sich über irgendwas aufgeregt hat.

Sie kennen doch sicher auch diese Sorte von alten Menschen, die kleinen Kindern verbieten will auf dem Spielplatz zu spielen, weil er an ihren Garten oder Balkon grenzt, oder? Ein Spielplatz ist doch kein Botanischer Garten, verflixt nochmal. Ich verstehe, dass ihr eure Kindheit versäumt habt oder dass ihr es nicht so schön hattet, wie unsere Generation, aber deshalb müsst ihr doch nicht andauernd nörgeln und uns die Laune (oder gar unsere Kindheit) vermiesen. Ich frage mich wirklich, was in frustrierten alten Frauen vor sich geht. Es gibt nämlich auch Ausnahmen. Ich kenne genug ältere Menschen (auch Frauen), die ganz anders sind und damit meine ich nicht nur meine Großeltern. Ja sogar in meinem Haus wohnen solche. Die kommen nicht andauernd zu mir und beschweren sich über belanglose Dinge obwohl sie unter mir oder direkt gegenüber wohnen.

Also stelle ich mir die Frage; Warum nicht? Stören denn diese Menschen meine unerhörten Frechheiten nicht oder sind sie nur zu feige mich darauf anzusprechen?

Ich kann Ihnen die Antwort verraten. Es stört sie nicht. Weiß der Teufel warum nicht.

Vielleicht sind sie einfach nicht so verbittert oder vielleicht haben sie dieses Wohnhaus ebenso schon durchschaut wie ich.

Wie das denn aussieht“. Wenn ich diesen Satz schon höre, könnte ich durchdrehen. Ich wohne in einer Genossenschaftswohnung. Verstehen Sie? In einer Wohnung, die für Leute zur Verfügung gestellt wird, die sich nicht den großen Lebensstil leisten können oder um der Wahrheit ins Auge zu fassen – für Menschen, die dazu neigen Sozialfälle zu sein. Um es auf den Punkt zu bringen: Unter mir wohnt ein dicker, ca. 22 jähriger Fleischer, der nichts anderes tut, als zu arbeiten und Computer zu spielen. Er schläft nicht. Egal wann man nach Hause kommt, brennt bei ihm Licht und das Wohnzimmerfenster ist 24 Stunden am Tag, 7 Tage in der Woche, 4 ½ Wochen im Monat und 12 Monate im Jahr gekippt. Von Zeit zu Zeit hat er irgendwelche Gestalten bei sich, die er dann nach Lust und Laune anschreit. Das höre ich allerdings nur in den zwei Sekunden, die es braucht, wenn eines seiner wohlklingenden BUMM BUMM Lieder, die er sich mit voller Lautstärke reinzieht, zu Ende gegangen ist und das nächste beginnt. Komischerweise hat der junge Typ sich noch nie über irgendetwas beschwert. Zumindest nicht bei mir.

In seinem Stock gibt es noch zwei andere Wohnungen. Die eine wird von der Hausmeisterin bewohnt, eine nette Frau so um die 30, die auch ein Kleinkind hat, dass die ganze Zeit herumbrüllt und die mir ab und zu gewisse Dinge von meinen ehrenwerten Nachbarn ausrichtet, wenn die mal wieder zu feig waren, es mir selbst zu sagen. Das Merkwürdige daran ist allerdings, dass die Hausmeisterin selbst immer sagt, dass es ihr vollkommen egal ist, aber ich es einfach unterlassen sollte – aufgrund des Hausfriedens. Sie kann sich ihr Schmunzeln selbst nicht verkneifen, wenn sie mir diese Nachrichten überbringt. Mit ihr verstehe ich mich am besten, vorallem auch weil sie weiß, dass ich ihr helfen kann, sollte sie einmal Hilfe brauchen.

Dem dicken Fleischer gegenüber in der dritten Wohnung des Erdgeschosses wohnt eine alleinstehende ältere Frau, die sich anfangs auch sehr über mich beschwert hat, mich aber mittlerweile zu schätzen weiß, weil ich ein netter und hilfsbereiter Mensch bin. Man muss mit den Leuten halt umzugehen wissen. Im ersten Stock wohne ich, eine dicke Frau, die den ganzen Tag mit gesenktem Kopf herumrennt, kein Wort sagt und die auf das Kind (geht schon zur Schule) ihrer Tochter aufpasst, die ungefähr Mitte 20 und solo ist. Die Drei wohnen zusammen in einer kleinen Wohnung und ich kann euch sagen – da geht es ab. Wenn man bei dieser Türe vorbeigeht, braucht man einen Ohrenschutz. Aber wir haben alle unsere Probleme. Wieso sollte ich mich darüber aufregen? Ich bin doch nicht 100. Mir gegenüber wohnt eine alleinstehende alte Dame, die etwas schwerhörig ist. Diese Frau ist eine äußerst nette Person, welcher ich ohne zu zögern sofort helfen würde die Einkaufstaschen zu schleppen oder sonstiges. Wer über mir wohnt, kann ich nicht so genau sagen.

Was ich weiß ist, dass noch eine alte Frau mit Krücken irgendwo über mir wohnt, die ebenfalls recht nett scheint, obwohl man sagen muss, dass sie mehr mit sich und ihrer Gesundheit beschäftigt ist, als dass sie sich um belangloses Zeug kümmern könnte. Dann wohnt irgendwo über mir noch ein veralteter Gigolo, mit dichten schwarzen Haaren (Toupet?), einem Schnauzer und einer dicken Goldkette. Ich sehe ihn von Zeit zu Zeit mit seinem Fahrrad davon düsen – wohin er fährt, weiß ich leider nicht. Vielleicht in sein Bordell – keine Ahnung. Dann gibt es noch das eine (Ehe-)Paar um die 40. Sie sieht aus wie eine Professionelle, wobei ich mir aber sicher bin, dass sie keine ist und ihr Freund (oder Mann) wie ihr Zuhälter, wobei ich mir auch hier sicher bin, dass er keiner ist. Was die beiden wirklich machen, kann ich nur raten. Sie grüßt mich meistens recht freundlich und er auch, doch sein Blick dabei, ist mir nicht ganz geheuer. Was will dieser Johnny Bravo Verschnitt von mir? Er sieht aus wie der Hauptdarsteller aus einem schlechten Porno (vom Kaliber „Wieso liegt denn hier Stroh rum?“) und will von oben auf MICH herabsehen? Was zur Hölle ist sein Problem?

Dann wohnen noch ein paar andere Leute in meinem Wohnhaus, die ich einmal oder noch nie gesehen habe, so dass ich sie nicht charakterisieren kann. „Last but the least“ muss ich noch diese eine Frau erwähnen. Diese eine Frau (keine Ahnung wie sie heißt oder sich nennt) ist diejenige, die sich über jeden Scheiss aufregt. Ich glaube, da gibt es auch noch eine zweite, die vielleicht sogar mit ihr zusammenwohnt, aber da bin ich mir nicht sicher. Wie dem auch sei, dieses Miststück wühlt durch meinen Mist, diese Frustration in Person beschwert sich wegen irgendeinem Kabel, das auf dem Boden vor dem Kellerfenster liegt und kein Schwein sieht. Diese vollkommen verblödete alte Kuh beschwert sich regelmäßig bei der Hausverwaltung über mich, wenn tagsüber die Musik zu laut ist oder wenn mehrere Freunde bei mir zu Gast sind.

Dieser verbitterte „Mensch“ regt sich sogar auf, wenn ich frühmorgens angetrunken nach Hause komme. Ich weiß, dass ihr jetzt glaubt, dass ich dann ziemlich laut bin und randaliere – ABER dem ist nicht so. Ich komme ganz leise nach Hause und sage kein Wort. Diese alte Henne muss ja 20 Stunden am Tag vor ihrem „Fenster zum Hof“ sitzen und die Straße beobachten. Dabei hat sie doch gar keinen gebrochenen Fuß und sitzt auch nicht im Rollstuhl. Also was zur Hölle ist ihr Problem? Nach alldem was ich Ihnen über mich und meine Nachbarn erzählt habe, können Sie sicher verstehen, warum ich die Wäsche nicht auf meinen Balkon hängen darf und warum ein Kabel nicht vor dem Kellerfenster liegen darf. „Wie das denn aussieht?“ Das wäre unverantwortlich ….

Mein Weg

Klasse oder Masse? Eine häufig gestellte Frage. Entweder das eine oder das andere? Viele sehen diese zwei Begriffe prinzipiell als Gegensätze. Das eine geht zulasten des anderen oder schließt es gar aus. In den meisten Fällen regiert die Quantität, im Hintergrund steht die Qualität. Doch was wäre, wenn wir beides haben könnten? Jeder wünscht sich Klasse und zugleich Masse. Sozusagen eine große Masse Klasse. Der Footballtrainer beim Zusammenstellen seines Kaders, der Weinliebhaber beim Herzeigen seines Weinkellers, eine Frau beim Anblick ihrer Schuhe oder ein männlicher Single auf der Suche nach Frauen beim Fortgehen. Und Letzterer bin ich. Es ist Samstag Abend und ich habe einen Wunsch. Was ich heute in den Lokalen sehen möchte, ist Masse UND Klasse. Ich will viele Frauen treffen, viele schöne Frauen. Frauen mit Klasse. Die Mission beginnt.

Vorweg muss ich sagen, dass es schwer ist, ein hübsches Mädchen anzusprechen, ohne „den besten Freund“ im Schlepptau zu haben – den „Rausch“. Er ist ein wichtiger Wegbegleiter, wenngleich er meistens mehr ruiniert als hilft.

Das erste Lokal, das ich aufsuche, ist das „Speki“. Beim ersten Blick durch die Runde erkenne ich sofort, dass ich hier nicht finden werde, wonach ich suche. Hier regiert die Klasse. An der Theke sitzt ein wunderschönes Mädchen, doch sie ist leider auch die einzige Person weiblichen Geschlechts, die anwesend ist. Nicht einmal Kellnerinnen gibt es hier. Edison hat die Glühbirne schließlich auch nicht beim ersten Versuch erfunden, sage ich mir und ziehe weiter, nachdem ich der Hübschen ein Lächeln geschenkt habe, das sie eiskalt ignoriert hat.

Auf dem Weg in eine Kneipe namens „Burg“ kommen schon die ersten Zweifel. Was ist, wenn Klasse UND Masse zu finden, ein Ding der Unmöglichkeit ist? Was wäre mir dann lieber? Klasse oder Masse?

Wenn ich eine Frau für eine Nacht suche, wünsche ich mir Masse, denn das erhöht die Chancen, eine Gleichgesinnte zu finden, die mit mir nach Hause geht. Suche ich allerdings ein Mädchen, das ich später heiraten möchte, bestehe ich auf Klasse. Dann wäre mir egal, wie viele Frauen unterwegs sind, solange nur eine von ihnen umwerfend ist. Im Urlaub wünsche ich mir Klasse. Dieser Massentourismus ist etwas Schreckliches. Bei meinem zehntägigen Cuba-Trip im letzten Dezember war das Schönste, unter den Einheimischen zu sein und das Land zu genießen. Grauenhaft war es, in den Clubs mit einer Vielzahl von betrunkenen Kanadiern Billard zu spielen. An der Universität zum Beispiel hätte ich lieber ein großes Angebot an verschiedenen Lehrveranstaltungen, die schlecht sind, als wenige, die dafür interessant und gut sind – denn dann stünden die Chancen schlecht, auch nur bei einem einzigen Kurs aufgenommen zu werden und ich würde ewig studieren. Ein Studium muss man abschließen. Böse Zungen behaupten, dass bei der wachsenden Anzahl geschenkter Maturazeugnisse heute ohnehin schon jeder studieren darf. Ein Hoch auf die Zentralmatura. Sie könnte helfen, das Problem zu lösen. Statt Masse trifft sich dann Klasse auf dem Campus der verschiedenen Hochschulen. Die Idee des Numerus Clausus ist meiner Meinung nach „beschränkter“ als das, was sie bezweckt. Man kann doch nicht die Ausbildung eines jungen Menschen von einem Tag oder meinetwegen einer Woche seines Lebens abhängig machen – außer die der Deutschen. Unsere Nachbarn kennen das von zuhause.

Beim Betreten dieser Kneipe trifft mich fast der Schlag. Hier befindet sich weder Klasse noch Masse. Die vier Mädchen, die sich an einem Tisch versammelt haben, könnten Protagonisten eines Märchens sein oder ihren eigenen Club gründen. Heutzutage werden sie ja nicht mehr verbrannt. Ich stürme so schnell ich kann aus der „Burg“, die von den zwei Rittern am Eingang besser hätte bewacht werden müssen. Ich habe einen langen Weg vor mir. Das „Molly Malone“ steht als nächstes auf meiner Liste. Ich frage mich, welches Ziel gewisse Unternehmer verfolgen wie zum Beispiel ein Designer für Klamotten, der einen namhaften Label kreiert hat. Ist es für ihn wichtig, Klasse UND Masse zu produzieren – nur Klasse oder gar nur Masse? Ich denke, die Antwort in diesem Bereich hängt von der Zeit und vom Geld ab. Am Anfang stand die Klasse im Vordergrund, denn schließlich bestimmt Exklusivität den Preis und die Reputation. Außerdem werden in hoch entwickelten Ländern wie Österreich gerne gute Jeans gekauft. Wir können es uns leisten. Wird erst einmal der Status eines Top-Labels erreicht, ändert sich die Priorität des Unternehmens. Das Design und der Designer spielen eine nur mehr untergeordnete Rolle. Was würden Sie tun, wenn die Leute Ihre Produkte gerne kaufen? Ich glaube, Sie würden versuchen, soviel wie möglich auf den Markt zu bringen. Plötzlich steht die Masse im Vordergrund. Es wird schneller produziert. Die Qualität leidet allerdings darunter. Dem Label ist es egal, solange die dummen Menschen weiterhin die angebotenen Produkte kaufen. Erst wenn der Ruf sich verschlechtert und die Verkaufszahlen zurück gehen, wird wieder umgedacht. Dann taucht erstmals die Idee auf, Klasse UND Masse herzustellen. Diese beiden Begriffe sind wie Pole! Überall, in jedem Bereich. Wer an der Spitze sein will, braucht beides und zwar zur selben Zeit.

Endlich bin ich beim irischen Pub angekommen. Zu meiner Überraschung finde ich hier Klasse und Masse – allerdings nur bei der Getränkeauswahl. Bei den Frauen dominiert hier ganz klar die Masse. Genauso stelle ich es mir auch in Irland vor. Das Konzept des Inhabers scheint demnach aufzugehen. Nach zwei kurzen Begegnungen mit John Jameson verlasse ich auch Irland enttäuscht. Wenigstens mein bester Freund steht mir noch zur Seite und hilft beim Suchen. Vom vielen Wandern und Denken gezeichnet, entschließe ich mich noch zu einem letzten Versuch. Ich wähle dafür den „Custo Club“. Eine große Schlange steht vor der Eingangstüre, und die Türsteher sind bemüht zu selektieren. Einer Gruppe hübscher italienischer Austauschschülerinnen gewähren sie den Zutritt. Auch die Polterrunde, die aus fünf wirklich schönen Frauen besteht, darf ohne Probleme passieren. Als Nächstes werden drei Mädchen zurückgewiesen. Angeblich, weil sie zu jung sind. Für mich hat es allerdings den Anschein, dass die zwei Security-Leute nur Steven Spielbergs „Jurassic Park“ nicht leer sehen wollen.

Das wunderschöne Mädchen, das vor mir in der Schlange steht und sich immer wieder lächelnd zu mir umgedreht hat, kommt sogar ohne Bezahlen in den Club. Ich glaube, dass ich endlich an der richtigen Adresse bin. Hier gibt es Klasse und zwar in Massen. Als ich eintreten möchte, stoppt mich die Hand des muskulösen Türstehers. Er schüttelt mit dem Kopf, was soviel bedeutet wie: „Du nicht!“ Er hat nichts gegen mich, doch mein bester Freund stört ihn gewaltig. Ich protestiere heftig, doch sehe bald ein dass, es keinen Sinn macht. Der Muskelmann wird seine Entscheidung nicht ändern. Am Boden zerstört mache ich mich auf den Nachhauseweg.

Zu einer Erkenntnis bin ich jedoch gelangt: Klasse UND Masse zu finden, ist ein realisierbarer Wunsch. Es ist nur verdammt schwer, ihn zu erfüllen.

Kopf oder Zahl?

Eine Familie, bestehend aus einem Vater, einer Mutter und ihren drei Töchtern. Der Vater, ein Autist. Die Mutter, eine psychisch extrem labile Person. Sie wohnen gegenüber von mir und ab und zu sehe ich die Mutter vor die Türe gehen. Vermutlich um einzukaufen, aber sicher bin ich mir nicht. Den Vater sieht man selten, genauso wie die drei Mädchen. Böse Zungen behaupten, dass die kranke Mutter ihre Töchter einsperrt und der Vater zu schwachsinnig ist, um zu begreifen was vor sich geht. Sie schirmt ihre Kinder komplett von der Außenwelt ab. Keiner weiß warum. Man vermutet, dass sie ihre Liebsten vor der bösen Welt und den schlimmen Menschen beschützen will. Dass ich nicht lache.

Vor genau sieben Wochen hatte Eveline ihr Heim mit den beiden ältesten Mädchen, Georgina und Samara, verlassen. Ich habe noch gesehen, wie sie in den Porsche eingestiegen und losgefahren sind. Der Vater musste zwischenzeitlich auf die Jüngste aufpassen, was sich jedoch als schrecklicher Faux-Pas herausstellte, denn das Mädchen wurde seitdem nie mehr gesehen. Ich habe ihn noch ganz genau beobachtet, wie er zusammensackte, als er merkte, dass seine liebste Tochter weg ist. Er hatte sich vor lauter Angst in die Hose geschissen. Wie sollte er seiner Frau erklären, dass die Kleine entführt worden ist und dies auch noch vor seinen Augen? Wie ein Stück Elend lag er auf dem Boden. Sein Glück jedoch ist, dass seine ehrenwerte Frau unter Tatverdacht steht. Die Behörden verdächtigen sie, ihre Tochter entführt und vermutlich sogar umgebracht zu haben. Ich muss sagen, dass das gar nicht mal so abwegig klingt. Als Polizist würde ich vermutlich genauso denken, obwohl ich mir die Frage stellen würde, was die zwei anderen Töchter in der Zwischenzeit getan haben? Stecken sie mit drin?

Es ist eineinhalb Monate her seit ich mir den rechten Fuß gebrochen habe, als ich eine ziemlich poröse Treppe hinunterstürzte und seitdem sitze ich nur noch vor meinem Fenster und beobachte dieses alte schaurige Haus meiner Nachbarn. Diese Cheeneys sind eine richtig unheimliche Familie. Irgendetwas an ihnen beschert mir eine Gänsehaut. Vor allem die Mutter, die ich Eveline getauft habe. Die übriggebliebenen Töchter, Georgina und Samara, faszinieren mich ebenfalls, wenn auch auf eine andere Art und Weise. Der Vater, den ich einfach immer nur den Vater nennen werde, ist unbedeutsam.

Die Polizei fährt gerade zum x-ten Mal heute die Straße entlang. Sie inspizieren dieses Haus ganz genau- so wie ich! Es kann mir nur recht sein. Meine Vorbilder, Ted und Jeffrey, haben mir eingetrichtert unter keinen Umständen aufzufallen. Ablenkung heißt das Zauberwort. Ein Mensch glaubt nur das, was er sieht – also muss man ihn das sehen lassen, was er glauben soll. Sie können meine Nachbarn ruhig beschatten. Solange sie sich nicht für mein Heim interessieren, ist mir alles scheißegal. Ich darf auf keinen Fall Aufsehen erregen, koste es was es wolle. Die Wahrheit ist allerdings, dass ich das nicht schaffe. Ich bin ein Spanner, ein beschissener Voyeur. Seit mich dieser Schwachkopf die Treppe hinuntergestoßen hat, bin ich mehr oder weniger an meinen Couchsessel gefesselt und mir bleibt nichts anderes übrig als aus dem Fenster zu gaffen. Fernsehapparat besitze ich sowieso keinen, denn die Strahlen sind mir zu gefährlich.

Schon wieder ein Polizeiauto!

Aber diesmal scheinen sie vor dem gegenüberliegenden Haus stehen zu bleiben. Zwei Uniformierte steigen aus und klingeln. Kaum hat Eveline die Türe geöffnet, trägt sie auch schon ein schönes Paar Handschellen – nicht so eines mit Plüsch überzogen, dass ich immer verwende, sondern ein richtiges Paar. Sie wird abgeführt. Es ist ein richtiges Spektakel, denn die zwei übrig gebliebenen Kreaturen wollen sie nicht gehen lassen. Georgina und Samara kämpfen mit den Polizisten. Sie versuchen ihre abscheuliche Mutter wieder zurück in dieses widerliche Haus zu zerren. Ich werde das Fenster ganz unauffällig öffnen, damit ich ein bisschen was von dem Geschrei mitbekomme. Ich kann nicht anders.

Was für ein Gekreische!

Schön langsam begeben sich auch die anderen Nachbarn, die mir alle gänzlich unbekannt sind, auf die Straße. Diese Schaulustigen haben offensichtlich nichts Besseres zu tun. Was soll ich jetzt machen? Soll ich auch ganz interessiert aus dem Fenster starren oder soll ich mich verdeckt halten? Welches Verhalten wäre jetzt angebracht? Wenn Ted und Jeffrey doch nur noch leben würden. Sie wüssten eine Antwort. Sie haben sie alle gefickt.

Ich gebe zu, dass ich andere Menschen nicht besonders zu leiden vermag. Ich bin ein Außenseiter. Bis auf meine zwei Vorbilder und meine Haushälterin, mag ich niemanden. Letztere füttert mich regelmäßig mit Informationen, auf die ich niemals verzichten könnte – abgesehen davon hat sie eine kranke Aura, die mir gefällt. Ohne sie würde ich nicht wissen, dass diese Familie Cheeney so verrückt ist. Niemals hätte ich von den psychischen Problemen Evelines erfahren oder von dem Autisten-Dasein des Vaters. Alles Dinge, die hilfreich sind für eine Ablenkung.

Diese Familie weckte mein Interesse. Diese kranke Bagage ist selbst für ihr Schicksal verantwortlich. Eveline, hättest du deine Kinder doch nicht immer isoliert. Nie im Leben hättet ihr meine Aufmerksamkeit erregt.

Dieses Fleisch ist vielleicht zart. Junger, sechsjähriger Lungenbraten.

Samara oder Georgina? Kopf oder Zahl? Kopf oder Zahl, verdammt noch mal?

Beruhige dich, Macaulay. Du willst doch nicht auffallen. Du musst Geduld haben ….