Jugend in einer österreichischen Stadt

An gewöhnlichen Januartagen kann man, von der Radetzkystraße kommend und Goethe wie Schiller hinter sich lassend, neben dem Stadttheater einen Baum sehen, dessen dürren Äste jedes Jahr aufs Neue andeuten, dass er bald das Zeitige segnen wird. Doch der Baum und seine Äste, sie halten durch, jedes Jahr, jeden Winter – und im Frühling blühen seine Blätter, aber längst nicht so, dass man im Oktober glauben kann, ein Engel habe eine Fackel fallen lassen. Verblassen, trist und verlassen ist das Bäumchen hier verwurzelt und blickt neidisch auf die Nachbarn, die sich in weniger Entfernung zu Gruppen zusammenschließen und herüber starren. Doch der Baum scheint stark, ohne Feuer, ohne Glut bleibt er fest verwurzelt und nichts, nichts bringt ihn hier fort. Kein Winter, kein Frühling, kein Sommer, kein Herbst. Bleibt dort.Wer möchte also mit mir sprechen über eitle Schwäche und kristallklaren Tod, wenn, den Baum vor Augen, die Stärke sich mir erfüllt in einem neuen Glanz? Die Hoffnung belebt? Etwas durchbricht.
Später liegt die Stadt im Dunkeln, schwach nur schimmert das Licht von Laternen und das Feuer von Obdachlosen, die sich wärmen. Der Kanal trägt längst kein Boot mehr vom See zum Hafen, dem früheren Herzen. Nicht wegen dem Eis, auf dem die Kinder tollen, mit Schlittschuhen und Schlägern, mit Schlitten und Schuhen, mit Mützen und Pelz und Helfern und Trägern. Es war schon immer so. Seit ich sehen und denken kann, ist der fließende Kanal tot. Wozu das Herz, frag‘ ich mich, wenn man‘s nicht nützt?
In diese Stadt ist man selten aus einer anderen Stadt gezogen, weil ihre Verlockungen zu gering waren; man ist aus den Dörfern geflüchtet, der Industrie gefolgt, und hat sich in ihrer Nähe niedergelassen, weil die Unterkunft am Stadtrand immer teurer wurde. Es wird gefragt: Wo sind sie hin die vielen Felder und Länder, die Gärtnereien und der Rand? Ein Blick nach Süden zum Vorort, man sieht ihn nicht mehr, kein Anfang, kein Ende, nur noch ein großes Häusermeer. Spielend hab‘ ich es verlassen, mein Zuhause, meine Kindheit hinter mir gelassen und die Jugend im Zentrum der Stadt gesucht. Auch dort – jede Fläche mit einem Schild, wird bald verbaut, die besten Plätze wurden längst verkauft an eine Person. Ein Symbol für K. und seine Politik.
Die Durchlaßstraße hat ihren Namen immer noch wegen der Unterführung, der kleinen, die längst größere kennt. Und riesige Geschäfte ragen um sie aus der Erde heraus, erinnern uns an das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, das selbst nicht mal den guten Gott kennt. Der Flughafen liegt noch immer neben dem Friedhof. Welch Glück, dass jemand darauf gekommen ist, denn es dauert nicht mehr lang, bis man ihn dort begraben kann. Die Leute in K., das muss man wissen, blicken sehr weit und denken noch weiter. Würden die Kinder noch dort stehen und ihre Arme strecken, um Flugzeuge zu fangen, sie würden wohl verrecken. Aber die Kinder sind längst nicht mehr im Freien, sondern geschützt in vier Wänden und in einer anderen Welt. Sie strecken ihre Arme nur noch, um ihre Controller von Sony und Microsoft zu kalibrieren und sich virtuell zu navigieren. Sie sprechen und spielen nicht mehr, sie täuschen es vor. Sie tun nur das, was ihnen nichts tut.
Die Schule überfordert sie nicht, dort holen sie ab, was ihnen zuhause fehlt. Aber auch das ist viel. Einmaleins hin, Alphabet her, es wird schon wer richten, ein ganzes Leben, wenn‘s sein muss; die Zukunft, die bleibt fremd. Schuld sind ohnehin die anderen, das kennen wir, wer sonst? Aus Dosen und Plastik futtern sie, lungern herum, werfen Steine auf den Baum und seine dürren Äste, entweihen das Andenken Schillers  – und Goethe, den kennen sie nicht mehr. Yolo – das Motto. Sie können alles sehen und wissen nicht wohin – aber was, ganz ehrlich, ist die Perspektive, wenn Bildung nicht hilft? Nur Schmieren und Kriechen und Kreuzerln und Nichts.

In einem Genossenschaftshaus in der Linsengasse neben deinem neuen Platz sind die Wände dünn und die Kinder, wenn sie aufhören würden zu schreien, hören die Nachbarn sich lieben und schlagen, sich helfen und beklagen. Gläser in Vitrinen klappern, Fußboden tappern, jemand stürzt – es bebt. Keine elektrische Bahn, längst nicht mehr, nur Donner, der einen aus dem letzten Schlafe holt. Such weiter! Die Tage vergehen, die Wochen, die Monate, sind vergangen.
Es lebt sich allein, aber nicht in Frieden, denn alte Frauen durchwühlen den Müll, um einen zu quälen und zu schwärzen sein Bild. Der Keller, so klein, ein Bänklein hineingepresst und einen Sack zum Schlagen und Boxen, zum Drücken und Stemmen und zum Rauslassen der Luft, die einen verdirbt. Sie warten vorm Fenster, beobachten die Schritte, die Fehler und Schwächen, sie schwärzen und schwärzen und schwärzen, um wegzublasen die Luft, die sie verdirbt. Man fragt sich: War es nicht immer so?
Und die Kinder? Sie lesen nicht mehr. Sie schauen Filme, aus denen Lustmörder entspringen, die man nicht fasst, weil sie nicht existieren. Nichts ist heute noch echt. Nur die Angst vor der Zukunft, die einen würgt und würgt und mehr zu fürchten ist, als alles andere zuvor. Die Kinder schauen sich die Augen wund, nachts, und sind müde in der Schule, am Tag, und lernen nur, die Ringe zu verdecken. Den einzigen Ofen, den sie noch anzünden, ist einer, der sie berauscht. Im Netz da chatten sie und tauschen sich aus, finden die erste Liebe, die erste Erfahrung, das erste Leid, das schon vergessen ist, bevor es sich zeigt. Nichts, nichts ist heute noch echt, viel Oberfläche und wenig Tiefe bestimmen dieses neue Leben. Virtuell, so sagt man, wird heute gelacht, nicht wirklich, nur mit Emoticons. Die Krämpfe, die bleiben dabei aus. Wie aber soll man lachen? Es ist wieder kein Geld im Haus. Keine Münze fällt mehr ins Sparschwein, auch das wurde längst verkauft, weil die Rechnungen zu hoch und die Löhne zu niedrig sind. Vor Kindern spricht man in Andeutungen, sie dürfen nicht wissen, dass das Land sich verkaufen muss, um Skandalen Rechnung zu tragen. Es wird verschwiegen, um ein Denkmal zu schützen, das keines war und keines ist.

Aber wären Menschen denn Menschen, wenn sie nicht wiederkehrend die selben Fehler begehen würden?

Wenn wir nichts haben, vertrauen wir dem, der uns gibt, und wenn wir dumm sind, vertrauen wir dem, der uns vorgaukelt zu geben und dabei nimmt. Und wenn wir erfahren, dass uns genommen wurde, so leugnen wir, wir leugnen so fest, damit wir sagen können, damals … damals war alles noch besser. Wer entlarvt sich gerne selbst als Dummkopf und Narr? Lieber steuern wir in ein schwarzes Loch und verhindern jeden, der versucht zu geben, der nicht nur gaukelt und lügt. Es muss gefragt werden: Wie lang wird es noch dauern, bis wir nichts mehr haben und alles bricht, bis Truppen marschieren und es draußen blitzt?
Es entlädt sich der pure Stolz am zehnten des Zehnten, zu Ehren von wem?, hängen überall Fahnen und Bier wird getrunken in braunen Anzügen, für unsere Gemeinschaft!, schlagen wir uns spätnachts die Schädeldecken ein. Der Baum wird hell, die Tage auch, in Ordnung ist‘s, wir sind doch gleich gesinnt; nur die mögen wir nicht, die nicht von hier sind oder die keinen dieser närrischen Anzüge tragen. Die sollen verschwinden, wie einst, wisst ihr noch?, egal wohin!, weit weg von hier.
Und wenn‘s dann einschlägt neben uns und unsere Kinder frösteln, fiebern und erbrechen, was dann? Dann werden wir töten, unsere Nachbarn und Kollegen, dann werden wir sterben und versuchen zu vergessen. Der Wind bringt das Feuer zum Glühen, der Regen wird es erlöschen. Lasst die Toten ruhen! Wir verbieten es, ihre Sünden und Fehler zu sehen. Sie haben sie mitgenommen ins Grab und würden wir buddeln und sie beschmutzen, würden wir nicht ewig bleiben können, wie wir sind. Würden uns nicht mehr gegenseitig die Köpfe einschlagen, würden keine Fremden mehr hassen und foltern können. Würden keine Kinder mehr durch vom Himmel fallende Christbäume getötet werden, würden sie nicht mehr zwischen Leben und Tod hängen oder derer mit Aufsätzen gedenken, die so zahlreich unter der Erde sind. Würden sie nicht mehr wissen, was Bomben und Zünder sind, würden nicht mehr in Ruinen spielen und dabei frieren. Würden sie nicht mehr vor sich hinstarren mit leeren Augen und nicht mehr nicht darauf hören, wenn man sie ruft. Würden meine Zeilen nicht deinen folgen.
Du vergessliche Stadt, ist die Säule am Neuen dein wahres Symbol? Der Krieg? Wollen wir uns zerstören, anstatt uns zu lieben? Unsere Kinder opfern, um unsere Wänste zu füllen? Wie kann es sein, dass Jahre lang, in diesem Land, Scheisse als Gold (gekauft und Scheisse) für Gold verkauft wurde? Gegrinst, gegrüßt, getrunken, gelogen und gestunken im selben Gewand, reichte einer dem anderen die Hand. Wer nicht zu uns, den muss man zerstören, um Utopia zu schützen, bis es von selbst zerfällt. Mit einem plötzlichen Tod … damals war alles noch besser. Da haben wir die Gräber geschaufelt für unsere Kinder und trauern nun, müssen wir sie darin liegen sehen, aber damals … damals war alles noch besser. Ist Lügen die einzige Sprache, die wir verstehen? Ja, denn nur das Lügen ist uns zumutbar! Um Wahrheit zu sehen, muss ich verschwinden.
Und erst nach Jahren werd‘ ich zurückkommen und sehen, was aus der Stadt geworden ist, ob Mauern errichtet und Gräber gegraben, ob Fahnen gehisst und Fahnen verbrannt und Menschen gehängt und Menschen verbannt, ob Kindheit geboten und Jugend verboten, ob Geist bestand – und alles verschwand. Dann werd‘ ich zurückdenken an den Baum mit den mickrigen Ästen, der standhielt der Tücke, der Gefahr und dem Wind, der, obwohl alleine und ohne Glut, fest verwurzelt in dieser Heimat bestand. Erst dann werd‘ ich ihn richtig blühen sehen, seine Farben bewundern und verstehen, dass sterben kann, wer bleibt und flieht, aber der vergessen wird, der niemals kämpft. Und rührt mir nichts ans Herz, hab‘ ich nicht alles dafür getan, dass der Engel seine Fackel fallen lässt. Und dieser Baum in blühender Flamme steht.

 

 

 

 

 

 

 

Quo vadis (liebe) Welt?

Was ist nur mit unserem Planeten los? Auf dem vergessenen Kontinent sterben die Menschen vor Hunger, eine Naturkatastrophe jagt die nächste, die USA steckt in einer schlimmen Finanzkrise, in Europa gibt es zahlreiche Demonstrationen aufgrund der hohen Jugendarbeitslosigkeitenquote, ein Euro-Land nach dem anderen geht pleite, eine Tendenz zur kontinentalen oder Zwei-Klassengesellschaft (ganz reiche und ganz arme Menschen) macht sich bemerkbar und durch den immer stärker werdenden Auftritt des Islam wird der Rechtsdrang in Europa zunehmend aggressiver. Stellt sich die Frage: Was gibt es überhaupt noch für Perspektiven? Die Welt gleicht einem Tollhaus, regiert von opportunistischen Unternehmen (Multis), Banken und Politikern. Wo steuern wir hin? Direkt in einen Krieg? Die Entwicklung ist beängstigend…

Der Fall Anders Breivik:

Was bringt einen gut aussehenden, charismatischen und noblen Burschen aus Norwegen dazu, über 60 hilflose Jugendliche auf einer Insel zu erschießen und vorher eine Bombe hochgehen zu lassen, die willkürlich Menschen tötet? Diese Frage hat sich in den letzten Tagen wohl jeder gestellt.

Anders Breivik, ein rechtsrechter Idealist, wollte damit ein Zeichen setzen. Es ist ein „Hilfeschrei“ eines jungen Mannes, der Europa auf ein großes Problem hinsteuern sieht. Auch Thilo Sarrazin hat es schon mehr als nur angedeutet. Europa verliert seinen Kopf, seine Identität, seine Kultur – wenn es so weitergeht.

(West-) Europa ist voll mit Sozialstaaten, die bemüht sind jeden Fremden aufzunehmen, egal ob schwarz, weiß, rot, Moslem, Katholik, Evangelist, Buddhist…etc. Leider sind wir dazu nur bedingt fähig. Wir sind nun an einem Punkt angelangt, den man als Grenze sehen könnte. Wir sind nicht einmal in der Lage den jetzigen Migranten eine Chancengleichheit zu bieten und öffnen weiter unsere Grenzen. Wir vergeben Tickets obwohl in unserem Stadion kein Platz mehr ist.

Die Armut steigt, Wörter wie Integration oder Segregation geistern in unseren Köpfen herum UND eines ist klar: Je mehr Migranten es gibt, desto weniger sind diese gezwungen sich anzupassen. Viele verfügen über ungenügende Sprachkenntnisse, so dass sie keine vernünftige Arbeit bekommen (können). Doch brauchen sie die überhaupt? Es geht ihnen auch so gut genug. Eine Sozialleistung da, eine Sozialleistung dort, viele Kinder und die Sache ist schon geritzt. Aber das ist sie eben nicht.

Wer bringt deren Kindern die Sprache bei, wenn nicht die eigenen Eltern? Die Lehrer? Eh klar und wie? Darüber streiten die Experten, wenngleich es einige gute Modelle gibt. Die Chancengleichheit wird so trotzdem nie zustande kommen, Migranten(-Kinder) befinden sich in einem Teufelskreis, und irgendwann ist auch der „Sozialleistungstopf“ leer gefressen, deshalb muss die Integration der derzeitigen Migranten oberste Priorität haben. Es muss möglich sein, Menschen mit anderer Herkunft die gleichen Chancen zu bieten. Das Wichtigste für Fremde ist (oder sollte sein) das Erlernen der jeweiligen Landessprache – Sozialleistungen für Migranten müssen in diese Richtung gehen. Weniger Geld, mehr (Sprach-) Kurse, denn die Sprache ist der Grundbaustein der richtigen Integration. Ohne Überwindung der Sprachbarrieren kann niemals eine Chancengleichheit gegeben sein.

Auch sollte über einen Einwanderungsstop nachgedacht werden. Wir sind überfordert mit der jetzigen Situation, wie weit wollen wir es noch treiben? Bis das Stadion zusammenbricht?

Und auf die Spitze des Eisbergs treiben es jene Migranten, die den Menschen ihren Glauben regelrecht aufzwingen wollen.

Warum sollten in Österreich (oder Schweiz oder sonst wo im Westen Europas) Minarette oder Moscheen gebaut werden? Ist es tolerant Moslems ihren Glauben (wenn auch nicht mit allem Drum und Dran) ausleben zu lassen? Ich denke JA. Ist es tolerant anderen Kulturen und Religionen die eigene aufzwingen zu wollen? Ich denke NEIN. Wer Toleranz fordert, sollte selbst tolerant sein. Genau das ist heutzutage das Problem, das ist der Grund für den Rechtsruck in ganz Europa. Niemand will sich eine andere Kultur oder Religion aufzwingen lassen. Weder Christen, Buddhisten, Moslems, Basken, Kurden, Katalanen, Franzosen usw…

Wenn 500 Moslems ein Minarett fordern, lacht man drüber, nimmt es nicht ernst…aber wie sieht es bei 500 000 aus? Wird es dann zu einer ernsten Angelegenheit? Natürlich wird es das.

Wer ist nicht für ein multi-kulturelles und multi-konfessionelles Miteinander? Kein halbwegs intelligenter Mensch wird etwas dagegen haben. Viele Kulturen und Konfessionen sind für jeden Staat, jede Stadt eine Bereicherung, aber in Maßen. Alles, ja wirklich alles im Leben hat seine Grenzen und das muss auch so sein.

Die steigende Zahl der Moslems in vielen Ländern Europas ist jedoch ein Schritt in die entgegengesetzte Richtung. Sie befürworten eine Monokultur. Daher auch die Forderung von Minaretten (Gebetshäuser reichen selbstverständlich nicht). Ein Volk breitet sich aus. Hinter vorgehaltener Hand spricht man von einer „schleichenden Islamisierung“. Schon die Geschichte zeigt, dass die Osmanen versucht haben, anderen Völkern ihren Glauben aufzuzwingen. Wenn man paranoid ist, würde man glauben, dass die Islamisierung jetzt nicht von außen durch Kriege stattfindet, sondern von innen heraus wächst.

Die durchschnittliche Kinderanzahl in muslimischen Familien ist im Schnitt ca. doppelt so hoch wie in christlichen (österreichischen, deutschen, skandinavischen, etc..). Tendenz bei Letzteren: sinkend. Wo führt das hin? Wenn man paranoid ist, könnte man meinen, dass in 200-300 Jahren in weiten Teilen Europas der Islam die vorherrschende Religion ist.

Was passiert dann mit den Kirchen? Werden sie durch Moscheen ersetzt? Oder bleiben sie stehen und es ist der christlichen Minderheit erlaubt ihren Glauben weiterhin auszuüben, was ganz und gar nicht im Sinne des (radikalen) Islam wäre. Dieses Szenario wäre sicherlich nicht das Gewünschte. Mission Multi-Soziokulturelles-Miteinander: fehlgeschlagen.

Wer glaubt Anders Breivik sei der Einzige, der gegen diese Dystopie eintritt, irrt sich gewaltig. Sehr viele Menschen denken wie der Massenmörder, nur keiner ist so wahnsinnig und tötet deshalb unschuldige Menschen auf hinterhältigste Art und Weise. Der Norweger ist ein Soziopath von höchster Güte, vom Wahnsinn getrieben, darauf bedacht sein Pamphlet zu verbreiten – mit dem Ziel einen gewaltigen Religionskrieg auszurufen (Kreuzzug der westeuropäischen Front – wie er es nennt). Ähnlichkeiten mit dem wahnsinnigen Serienkiller Charles Manson, der einen Rassenkrieg auslösen wollte, sind naheliegend. Doch wie lange wird es noch dauern bis der Religionskrieg tatsächlich entfacht?

Der immer stärker werdende Rechtsdrang ist die wohl negativste Entwicklung in Europa, aber er MUSS beachtet werden. Die Menschen sind unzufrieden mit der Situation, sie betteln um Aufmerksamkeit – ABER die Politik hört ihnen nicht zu. Menschen wie Anders Breivik fühlen sich nicht ernst genommen, kämpfen um ihre eigene Identität, um ihre Existenz und ihre Kultur. Natürlich ist der Norweger geisteskrank und niemand kann solch einen grausamen Massenmord auch nur annähernd verstehen, doch es gibt noch genug andere Breiviks da draußen, bei denen nur ein Funke fehlt, der das Feuer entfacht. Die Menschen sind wütend und gehen mit dieser Wut auf ihre eigene Art und Weise um. Einige schreiben Bücher, andere wiederum schimpfen, wählen rechts-populistische Parteien und wiederum andere werden gewalttätig.

Dass immer mehr Menschen sich gegen die „schleichende Islamisierung“ auflehnen, ist ein Alarmsignal, doch diese Aversion gegen eine omnipräsente und penetrant erscheinende Religion ist bald nicht mehr die Ausnahme. Ein altes Sprichwort besagt; „leben und leben lassen“, doch dies gilt für beide Seiten. Es ist falsch, sich gegen eine fremde Religion aufzulehnen und es ist falsch, anderen seinen Glauben vor Augen halten zu wollen. In Österreich Minarette oder Moscheen bauen zu wollen, ist ein Zeichen mangelnden Respekts, ebenso wie den Bau mit aggressiven, polarisierenden Mitteln verhindern zu wollen. Das Wichtigste im zwischenmenschlichen Leben ist die Mitte. Sie ist das Heilmittel in allen Bereichen, der Kompromiss sorgt für ein korrektes Miteinander.

Dennoch: Es ist an der Zeit die Gedanken der Menschen ernst zu nehmen, sie zumindest zu beachten, sonst kann es leicht passieren, dass die Welt noch Bekanntschaft mit anderen Psychopathen machen wird (anno WW II). Die Zustände werden schlimmer und zu einem ernsthaften Problem – wie der Fall des Anders Breivik zeigt.

This is War

 

 

Aus dem Volk – für das Volk


Heute ist der 10.Oktober – ein großer Feiertag für Kärnten. An diesem Tag vor genau 90 Jahren sind wir unabhängig geworden. Der südliche Teil Kärntens würde nicht zu Österreich gehören, wenn sich nicht slowenisch sprechende Kärntner bei der damaligen Volksabstimmung für unser Land entschieden hätten –  jene Menschen, die noch bis vor kurzem von den Feierlichkeiten ausgeschlossen waren. Grotesk?

Ich muss zugeben, dass ich nicht besonders auf historische Daten und Ereignisse achte, doch weiß ich ihre Bedeutung zu schätzen.

Mir brennen allerdings einige Fragen auf der Zunge: Wie sehen das die Menschen in meiner Umgebung? Was bedeutet ihnen dieser Tag und warum berührt er sie?

Einen Spaziergang zu machen, ist meine Art und Weise herauszufinden, wie meine Mitmenschen ticken. Eine große Veranstaltung, „ein Akt der Selbstverherrlichung“, findet auf dem „Neuen Platz“ statt. Vielleicht schaue ich dort vorbei.

Schon nach den ersten Metern sehe ich einen meiner Nachbarn, der gerade dabei ist, eine Kärnten-Fahne auf seinem Balkon zu montieren. Da ich ihn vom Sehen kenne, nähere ich mich ihm langsamen Schrittes und grüße freundlich.

„Einen schönen Feiertag wünsche ich dir.“ Etwas Besseres ist mir nicht eingefallen. Ich duze ihn  –  ein Trend der heutigen Gesellschaft.

„Wünsche ich dir ebenfalls. Hast du deine Fahne schon aufgehängt?“

„Nein. Ich besitze keine.“

„Ist nicht dein Ernst. Wieso nicht?“

„Ist mir zu teuer.“

„Soso. Du bist aber schon ein echter Kärntner oder?“ Er fragt, als würde er mich in eine Falle locken wollen.

„Vom Scheitel bis zur Sohle. Und du?“

„Machst du Witze? Ein waschechter Kärntner wie er im Buche steht.“ In welchem Buch frage ich mich still und leise. Egal.

Erst jetzt fällt mir der Pullover auf, den er anhat. Ich finde die Farbe orange sehr schön, auch den V-Ausschnitt.

Sofort lädt er mich auf ein Getränk bei sich zuhause ein. Ein Angebot, das ich wohl kaum ausschlagen kann. Vermutlich hat er das Gefühl, mir ein wenig Heimatkunde beibringen zu müssen. Ich bin schon gespannt,  auf welche Seite die Münze fällt – oder, um es noch besser auszudrücken, wes Geistes Kind er ist.

„Glabischnig“ – steht auf dem Namensschild auf der Eingangstüre. Wir treten ein und ich werde positiv überrascht. Seine Wohnung ist größer als meine, schön dekoriert und vor allem sauber. Was mich etwas verwundert, ist, dass die Wohnung geschmackvoll eingerichtet ist. Alles scheint seinen Platz zu haben – Feng Shui lässt hier wirklich grüßen. Ich nehme auf der hellen Couch Platz. Das einzig Störende ist das schlechte Licht, denn es gibt hier nur wenige Fenster, und auch der Dimmer trägt das Seinige dazu bei. In diesem Licht betrachtet, kommt mir sein schöner Pullover irgendwie dunkler vor. Würde mich jetzt jemand nach der  Farbe fragen, würde ich „blau“ sagen.

„Trinkst du gerne Wein?“, fragt er mich.

„Darf ich mir das aussuchen?“, ist meine freche Gegenfrage.

„Natürlich!“

Ich mag Rotwein, „Hillinger“ besonders.“

Zu meiner Überraschung sagt er: „Ich habe einen „First Hill“ – hat mir neulich ein Bekannter geschenkt!“

„Ein fantastischer Wein. Die Dame bei Wein&Co. beschreibt ihn als jugendlich, und obendrein gibt es ihn jedes Jahr nur für kurze Zeit“, kläre ich ihn auf.

„Okay, du hast mich überredet. Lass uns ihn trinken.“

Er geht zurück in die Küche, und als er wenig später in das Wohnzimmer zurückkehrt, hält er zwei halb volle Weingläser in Händen. Er setzt sich zu mir und wir stoßen an. Weder er noch ich lassen den Weinkenner heraushängen – wir trinken einfach.

„Schmeckt wirklich gut“, urteilt er.

Direkt wie ich bin, komme ich  gleich zur Sache.

„Was feierst du heute eigentlich?“

„Was meinst du? Das Ergebnis der Volksabstimmung und die damit verbundene Unabhängigkeit natürlich. Du hast in Geschichte wohl immer geschwänzt, was?“

„Scheint so“, sage ich.

„Das ist unser Tag. Diesen Feiertag trage ich im Herzen“, erklärt er mir.

„Findest du es nicht auch gut, dass die Kärntner Slowenen endlich an dieser Feier teilnehmen dürfen?“, frage ich ihn.

„Ich weiß nicht, was die zu feiern haben. Immerhin gehören sie jetzt zu uns und nicht zu Slowenien.“

„Dir ist schon klar, dass wir den Slowenen die positive Abstimmung zu verdanken haben, oder?“, frage ich ihn. Er blickt etwas mürrisch.

„Mir ist das egal. Ich mag sie nicht.“

„Wieso nicht?“

„Weil sie nur Forderungen stellen.“

„Welche denn?“

„Dauernd wollen sie zweisprachige Ortstafeln und was weiß ich noch was.“

„Es stört dich also, dass sie wollen, was ihnen zusteht?“

„Nichts steht ihnen zu. Sie müssen froh sein, dass es ihnen bei uns so gut geht.“

„Du kennst den Staatsvertrag, oder?“, frage ich etwas zynisch nach.

„Ja! Ich weiß schon, dass irgendwelche Politiker vor langer Zeit beschlossen haben, dass es zweisprachige Ortstafeln geben soll.“

„Was stört dich daran?“

„Es geht um‘s Prinzip. Es ist unser Land, und die Orte sollen verdammt noch mal in unserer Sprache auf den Tafeln stehen.“

„Wenn du etwas machst, eine Arbeit zum Beispiel, dann steht dir dafür Geld zu. Was würdest du sagen, wenn du einfach keines bekommst, weil dein Chef sagt: Es geht um‘s Prinzip.“

Er überlegt kurz.

„Du kannst nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Der Haider hat schon recht gehabt, als er gesagt hat, dass die Minderheit der Kärntner Slowenen nur fordert, weil sie will – nicht weil sie braucht.“

„Wofür steht Haider heute eigentlich noch? Abgesehen von Skandalen, Freunderlwirtschaft und fahrlässigem Verhalten?“, kontere ich provokant.

„Sowas kannst du nicht sagen. Er hat zumindest etwas für das Volk gemacht.“

„Was zum Beispiel? Woran kannst du dich erinnern?“

„Ich weiß nicht – viele Dinge. Alles, was er gesagt hat, hat immer irgendwie gestimmt.“

„Ist dir vielleicht mal in den Sinn gekommen, dass es dem intelligenten Haider ziemlich  egal war, ob auf den Ortstafeln die Orte in deutscher und slowenischer Sprache stehen?

„Wieso hat er sich dann so dagegen gewehrt?“, fragt er mich.

„Nur wegen der Wählerstimmen. Er hat das gemacht, was nötig war, um zu gewinnen. Und jetzt, nach seinem Tod, kommt  langsam ans Tageslicht, wie sehr er uns alle, aber vor allem seine Wähler, verarscht hat.“

„Das stimmt nicht“, verteidigt mein Nachbar sein Idol.

„Wie gesagt –  langsam lichtet sich der Nebel. Niemand erwartet, dass es alle gleich kapieren.

„Weißt du, was mich noch an unseren Slowenen stört?“, geht mein Nachbar wieder in die Offensive.

„Nein, was denn?“

„Ihre Hochnäsigkeit.“

„Hochnäsigkeit?“

„Ja. Ich erkenne einen Slowenen aus hundert Metern Entfernung. Ich habe früher in Bahnhofsnähe gearbeitet, und einige von ihnen gehen dort bei diesem Müsli-Haus ein und aus. Tun so, als ob sie etwas Besseres wären – ihre Nase schaut dabei zum Himmel.“

„Bei welchem Haus?“, muss ich nochmal nachfragen. Ich glaube, mich verhört zu haben.

„Bei diesem Müsli-Haus oder Müsli-Institut – beim Bahnhof. Kennst du doch, oder? Da habe ich viele gesehen, die auch wegen der Ortstafel-Frage regelmäßig in der Zeitung waren. Glaub‘ mir, die lachen über uns und arbeiten tun sie sowieso nicht gern“, behauptet mein Nachbar.

„Weißt du, dass der slowenische Kindergarten am längsten von allen Kindergärten offen hat?“, frage ich ihn.

„Nein! Warum? Was spielt das für eine Rolle?“

„Er hat deshalb so lange geöffnet, weil die slowenisch-sprachigen Eltern aufgrund der Tatsache, dass sie sehr lange und hart arbeiten, ihre Kinder erst später abholen können.“

„Du bist doch wohl kein Slowene oder?“, fragt er mich etwas ängstlich.

„Nein“, antworte ich.

Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass mein Nachbar Glabischnig heißt?

„Wir müssen dir unbedingt eine Fahne besorgen.“

„Ach, lass gut sein“, schwäche ich ab. „Ich brauche das nicht!“

Ihn scheint diese Antwort wirklich zu enttäuschen

„Du bist ein wirklich eigenartiger Kärntner, weißt du das?“

„Ich weiß, aber Käsnudel esse ich gerne – falls dich das beruhigt.“

Er schüttelt den Kopf. Ich glaube, Wut in seinen Augen erkennen zu können.

Ich blicke auf die Uhr und muss feststellen, dass die Zeit rasend schnell vergangen ist. Aufgrund unserer Diskussion scheinen die Stunden wie Minuten verflogen zu sein.

Es ist an der Zeit das Reich meines Nachbars zu verlassen.

Er begleitet mich zur Tür. Im Licht des Stiegenhauses sieht sein Pullover komischerweise wieder orange aus. Ich kapier das nicht. Vielleicht muss ich wirklich zum Augenarzt.

Ich schwanke hinaus – zurück ins Freie.

Glabischnig und ich, wir wohnen zwar im selben Gebäude, haben aber verschiedene Eingänge.

Während ich die Stufen überwinde, die mich zurück in meine Wohnung führen, lasse ich unser Gespräch noch einmal Revue passieren.

Es ist bewundernswert, wie sehr mein Nachbar sich ohne konkretes Wissen für etwas einsetzt. Was wird er wohl von mir denken? Fahnenlos wie ich bin.

Zugegeben: Weit bin ich mit meinem Spaziergang nicht gekommen, aber trotzdem habe ich beinahe jeden dritten Kärntner kennengelernt!